16. Hessisches Gesprächsforum Medien: "Alles easy - Super prima? - Wie viel Fernsehen braucht der Mensch?"

"Das Fernsehen der Zukunft" und insbesondere die Frage: Wie viel Fernsehen braucht der Mensch? war am vergangenen Mittwoch Thema des 16. Hessischen Gesprächsforums Medien, zu dem die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR Hessen) eingeladen hatte.

Auf der Veranstaltung, die von Sabine Noethen, "Anchorwoman" bei N24, moderiert wurden, wurde über Chancen und Möglichkeiten der deutschen Kabelnetze referiert und diskutiert.

High Speed Internet, individuelle Pay-per-View-Angebote, E-Mails, Homebanking, Telefonie und interaktive Spiele - Aufgaben, die zur Zeit noch überwiegend dem Arbeitszimmer und Computer vorbehalten sind, sollen demnächst Wohnzimmer und Fernseher erobern. Fernbedienung statt Mausklick.

Insbesondere für die Vertreter der beiden Kabelnetzbetreiber iesy (eKabel GmbH) und primaTV (Primacom), Günter Maier und Dr. Stephan Königfeld kein undenkbares Zukunftsszenario, sondern Fernsehrealität der nahen Zukunft (iesy) bzw. bereits der Gegenwart (Primacom).
Allerdings betonte Günter Maier, dass es auch das bisherige Programmangebot weiterhin - ohne Mehrkosten - geben werde. Der Zuschauer von heute habe darüber hinaus aber auch den Wunsch, dass auf seine speziellen Bedürfnisse mehr eingegangen werde und eben diese Möglichkeit wolle iesy dem Kunden auch bieten. Es gehe also weniger darum, den Zuschauern mehr Fernsehen der bisherigen Art zu bieten, als Fernsehen der anderen Art. Genau für diese Mehrleistungen, bei denen der Verbraucher selbst entscheiden könne, ob er sie in Anspruch nehmen wolle, müsse er auch in angemessenem Rahmen mehr zahlen. Individuelle Kommunikation zu individuellen Preisen.

Auch Dr. Stephan Königfeld konnte aus den bisherigen Erfahrungen von primaTV bestätigen, dass es einen Bedarf an individualisierten Angeboten bei Zuschauern gibt. Die meisten Kunden wählen das ganze Programmangebot, sprich die ganze Programmvielfalt. Man könne außerdem beobachten, dass sich das Sehverhalten der Zuschauer durch ein verändertes Angebot ändere. Wie schon sein Vorredner betonte er, dass die deutsche Kabellandschaft unter einem "Inhalteproblem" leide: Es gebe in Deutschland zur Zeit zu wenig Programmanbieter, als dass die zur Verfügung stehenden Fernsehkanäle gefüllt werden könnten.

Werner Lauff von PricewaterhousCoopers hält zwar die Übertragung von Computer-Funktionen auf den Fernseher nicht für ausgeschlossen, sieht aber für den Erfolg der Kabelnetzbetreiber die Erfüllung einiger Grundvoraussetzungen als wesentlich: Die Kabelnetzbetreiber müssten ihre Zukunftsstrategien als vertrauensbildende Maßnahme offen legen, den Vorsprung und die Stärken des Breitbandes gegenüber dem Satelliten und der DSL-Technik jetzt nutzen und die Austauschbarkeit der Netze durch Einführung eigener Dienste und dem Anbieten einzigartiger Produkte verhindern. Wichtig sei vor allem, das Angebot aus Nutzersicht und über den ureigenen Horizont hinaus zu betrachten. Dem Kunden müssten einfach zu bedienende und schnell verfügbare Endgeräte geboten werden. Das Netzgeschäft der Kabelnetzbetreiber müsse zu einem ‚vernetzten' Geschäft avancieren.

Prof. Dr. Michael Jäckel, Soziologe an der Universität Trier, steht dagegen der Konvergenz von Internet und Fernsehen eher skeptisch gegenüber und sieht auch in Zukunft eher eine arbeitsteilige Nutzung der Medien: Der Computer mit seinen Nutzungsmöglichkeiten werde weiterhin eher in die Arbeitswelt einzugliedern sein, der klassische Zuschauer wolle seine abendliche Freizeit eben nicht in technisierter Umgebung verbringen, sondern in bequemer Entspannung. Eine Bündelung von Medien und Zusatzfunktionen könne der Verbraucher gar nicht als positiv wahr nehmen, da durch die Bündelung alles Guten das Gute schlecht werde, der Zuschauer durch ein Übermaß an Angeboten letztlich übersättigt werde.

Auch Dr. Mechthild Winkelmann von der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen steht der multimedialen Zukunft des Fernsehers skeptisch gegenüber. Frau Dr. Winkelmann äußerte Zweifel, dass der Zuschauer auf eine breite Palette von Zusatzfunktionen, auf Chats und E-Mail-Dienste aus dem Fernseher warte und - vor allem - diese Funktionen auch bezahlen wolle. Erfolg könne ein solches Angebot jedenfalls nur dann haben, wenn ein einheitlicher technischer Standard die neue Programmvielfalt ermögliche und dem Zuschauer eine transparente Übersicht über empfangbare Programme gewährleistet werde. Zudem dürfe die Bündelung von Programmpaketen nicht dazu führen, dass der Zuschauer auf bislang Gewohntes verzichten oder dieses teuer hinzukaufen müsse.

Für die Akzeptanz innovativen Fernsehens ist, so betonte auch Wolfgang Thaenert, Direktor der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk, weniger die Konvergenz der Übertragungswege und Endgeräte entscheidend als vielmehr die Vielfalt neuer Inhalte und die nutzerfreundlichen Zugriffsmöglichkeiten.
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