19. Hessisches Gesprächsforum Medien: "Ansichten eines Krieges"

Vor dem Hintergrund des jüngsten Irak-Kriegs waren "Die Bildauswahl in der Kriegsberichterstattung" und die Rolle der Medien innerhalb kriegerischer Auseinandersetzungen am gestrigen Dienstag Thema des 19. Hessischen Gesprächsforum Medien. Die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR Hessen) hatte zu dieser Veranstaltung im Rahmen der eDIT/VES 2003 - The European Festival for Production and Visual Effects im Metropolis-Kino in Frankfurt am Main eingeladen.


In seinem Grußwort problematisierte Wolfgang Thaenert, Direktor der LPR Hessen und Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), eine zunehmende Instrumentalisierung der Medien. Parallel scheine sich Krieg zu einem medialen Massenereignis und Quotenbringer zu entwickeln.

Diesen Eindruck bestätigte Prof. Dr. Hans-Jürgen Weiß von der Freien Universität Berlin in seinem Einführungsvortrag: Der Irak-Krieg sei von einer noch nie da gewesenen Zahl von Medien und Journalisten begleitet worden, was zu einer enormen Präsenz des Themas im Fernsehen geführt habe. Weiß, der zur Zeit im Auftrag mehrerer Landesmedienanstalten die Fernsehberichterstattung über den Irak-Krieg untersucht, wies darauf hin, dass die Fernsehberichterstattung natürlich in erster Linie "von den Kriegsbildern lebe". Die Bedeutung der Bilder werde aber wesentlich von dem unterlegten Text geprägt.

Der Direktor der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) und Vorsitzender der Gemeinsamen Stelle Programm, Werbung und Medienkompetenz der DLM, Dr. Norbert Schneider, hob hervor, dass die westeuropäischen Zuschauer Kriege nur noch als Fernsehkriege erleben würden. Dabei bekämen sie nicht die realen Grausamkeiten, sondern "gereinigte, geliftete, geruchsfreie" Kriegsbilder zu sehen. Dies würde insbesondere für die Fernsehveranstalter eine hohe Verantwortung bedeuten. In diesem Zusammenhang kritisierte Schneider die Rolle der Experten in den "Heimatstudios", die weit weg vom Geschehen mit zum Teil wenig Detailkenntnis den Zuschauern die Kriegsereignisse erklärt hätten.

Tony Maddox, Senior Vice President von CNN International, erläuterte, dass man während des gesamten Irak-Krieges auf möglichst viele Quellen zurückgegriffen habe, um eine möglichst ausgewogene Berichterstattung zu gewährleisten. Dabei konnten durch das neue Konzept des "embedded journalist" erstmals Bilder produziert werden, die so noch nicht zu sehen waren. Problematisch sei hierbei, dass die Journalisten nur auf einer Seite "eingebettet" waren. Schwierigkeiten habe CNN mit der vierundzwanzigstündigen Berichterstattung bekommen, nachdem das Team aus Bagdad ausgewiesen worden war.

Auch der Chefredakteur des Nachrichtensenders N24, Peter Limbourg, sieht in den "embedded journalists" eine positive Entwicklung: Journalisten würde so die Möglichkeit gegeben, einen Einblick in das Alltagsgeschäft des Krieges zu erhalten, was eine erhöhte Transparenz bedeute. Die Vielzahl der Berichterstatter vor Ort hätten eine Vielzahl von Augenzeugenberichten liefern können. So erhielten die Zuschauer Informationen, die ihnen sonst verborgen geblieben wären.

Dagegen vertrat der ZDF-Korrespondent Ulrich Tilgner die Ansicht, dass die "eingebetteten" Journalisten nur einen sehr lückenhaften Gesamteindruck des Kriegsgeschehens wiedergegeben hätten, da sie von vielen Informationsquellen abgeschnitten waren und kaum Kontakt zu ihren Heimatredaktionen hatten. Viele Kriegsberichterstatter seien auch nur während des Krieges vor Ort gewesen und hätten kaum Kenntnisse über die gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten im Irak. Da diese Journalisten nicht über ein gut funktionierendes Netzwerk vor Ort verfügten, seien sie ausschließlich von den offiziellen Informationsquellen abhängig gewesen.

Johanna Haberer, Professorin für christliche Publizistik an der Universität Erlangen, kritisierte bei der Berichterstattung über den Krieg die Priorität des Militärischen. Gleichwohl hätten die deutschen Fernsehsender das Kriegsgeschehen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Problematisch für die zukünftige Entwicklung sei aber der Versuch einer massiven Einflussnahme der Kriegsparteien auf die Berichterstattung.