"Alles easy - Super prima? Wie viel Fernsehen braucht der Mensch?" LPR Hessen dokumentiert 16. Hessisches Gesprächsforum Medien

Unter der Fragestellung "Wie viel Fernsehen braucht der Mensch?" diskutierten beim 16. Hessischen Gesprächsforum Medien am 7. November 2001 Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft über das Fernsehen der Zukunft. Die LPR Hessen hat die Veranstaltung jetzt in ihrer Schriftenreihe dokumentiert.

Die Dokumentation beschreibt die Situation im Herbst 2001, die von den zu diesem Zeitpunkt aktuellen Fragen um die Veräußerung der Telekom-Kabelnetze geprägt war. Die inhaltlichen Vorstellungen und Geschäftsmodelle für das digitale Fernsehen in Deutschland sind jedoch nach wie vor Wegweiser für eine ganze Branche.

Günter Maier, damaliger Präsident des hessischen Kabelnetzbetreibers iesy, plädiert in seinem Beitrag für individuelle Kommunikation zu individuellen Preisen. Der Inhalt müsse stärker den speziellen Bedürfnissen und Interessen des Nutzers angepasst sein, ihm also einen Mehrwert bieten: "Die Zuschauer sollen das sehen können, was sie wollen. Sie sollen neben der Auswahl, die ihnen heutige Programme bieten, auch eine breite Auswahl an zusätzlichen neuen Inhalten bekommen, die sehr stark nach bestimmten Genres, nach Themen sortiert sind."

Auch Dr. Stephan Königfeld thematisiert die Entwicklungen und Möglichkeiten von Fernsehen und Kabelnetzen: Individualisierte Angebote, Interaktivität und Zusatzangebote beschreibt der Geschäftsführer der PrimaTV Broadcasting GmbH als gelungene Modelle im derzeitigen und künftigen digitalen Fernsehen. Problematisch sei auf dem deutschen Fernsehmarkt gegenwärtig vor allem das mangelnde Programmangebot und die Bereitschaft, neue Angebote zu offerieren.

Werner Lauff von PricewaterhouseCoopers formuliert fünf Parameter für eine erfolgreiche Nutzung und Vermarktung der neuen Kabelnetze. Er empfiehlt den Betreibern, die Akzeptanz ihrer Kabelnetze durch stärkere Transparenz zu erhöhen und die Vorteile der Kabeltechnologie gegenüber Satellit und DSL zu nutzen. Ferner sei die Einführung spezieller Dienste (Musik zum Downloaden, Videos zum Streamen, Serviceangebote) und die Bildung netzübergreifender Initiativen und Allianzen zu Gunsten eines attraktiven Angebots notwendig. Dem Kunden müssten einfach zu bedienende, universelle Endgeräte geboten werden, die unterschiedliche Anwendungen ermöglichen. "Wir müssen weg kommen vom Netzgeschäft und anfangen mit den vernetzten Geschäften!", so das Fazit von Lauff.

Professor Dr. Michael Jäckel von der Universität Trier skizziert in seinem Beitrag mit dem Titel "Immer für Überraschungen gut" die Entwicklungen im Fernsehen und die Rolle des Zuschauers. Der Nutzer erwarte künftig vor allem permanente Abrufbarkeit von Inhalten sowie Interaktionsmöglichkeiten. Die Ausweitung des Fernsehangebots werde von verschiedenen Entwicklungen beeinflusst, beispielsweise der zunehmenden öffentlichen und ortsungebundenen Nutzung von Medieninhalten oder der Dauerpräsenz von Medienangeboten. Zur Medienkonvergenz äußert sich der Soziologieprofessor skeptisch; der Computer werde auch weiterhin vor allem mit der Arbeitswelt und weniger dem Freizeitbereich verbunden.

Dr. Mechthild Winkelmann, Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, benennt in ihrem Beitrag die Probleme des digitalen Fernsehens und entwirft "Programmgrößen" für ein gutes, quotenstarkes Angebot: Dazu gehöre zunächst ein einheitlicher Standard, der den Empfang digitaler Programme mit der neuen Programmvielfalt ermögliche. Für den Erfolg eines Programmangebots sei besonders seine Qualität, der Nutz- und Mehrwert entscheidend. Entwicklungschancen des digitalen Fernsehens lägen vor allem im flexiblen Programmzugang und der individuellen Programmgestaltung.

LPR Hessen (Hrsg.): Alles easy - Super prima? Wie viel Fernsehen braucht der Mensch? Dokumentation des 16. Hessischen Gesprächsforums Medien der LPR Hessen.
Schriftenreihe der LPR Hessen, Band 15, KoPäd Verlag München, April 2002.
89 Seiten, 12 Euro, ISBN 3-935686-55-2.