Amtsperiode der Versammlung endet Vorsitzender Engel zieht in Interview Bilanz

Winfried Engel hatte in der 5. Amtsperiode der Versammlung der LPR Hessen von 2003 bis 2007 den Vorsitz des Entscheidungsgremiums inne. Engel, der von der katholischen Kirche entsandt wurde, zog in der heutigen letzten Sitzung der 5. Amtsperiode der Versammlung ein Resümee. Wir haben ihn dazu befragt:

„Herr Engel, Sie führten in der nun beendeten 5. Amtsperiode der Versammlung zwischen 2003 und 2007 den Vorsitz. Sie haben gemeinsam mit den Mitgliedern der Versammlung die Medienentwicklung in Hessen in Teilen gelenkt, in anderen Teilen intensiv begleitet. Wenn Sie heute Bilanz ziehen – welche Themen haben die Arbeit in den letzten vier Jahren bestimmt?“

„Ich möchte meine Antwort teilen: Der eine Teil betrifft die Arbeit in unserem Bundesland Hessen, der andere unseren Anteil an den länderübergreifenden Gemeinschaftsaufgaben der Landesmedienanstalten. Letzteres möchte ich deswegen eigens ansprechen, weil die LPR Hessen von 2003 – 2005 für 2 ½ Jahre die Vorsitz führende Anstalt in der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten war und somit besondere Verantwortung auf Gemeinschaftsebene zu tragen hatte.

Wichtig war und ist der Versammlung in Hessen die Begleitung der von uns lizenzierten Rundfunkprogramme. In regelmäßigen Gesprächen mit den Programmverantwortlichen lässt sich die Versammlung bzw. der Programmausschuss über die Programmentwicklung informieren. Selbstverständlich bringen wir von uns als problematisch zu bewertende Aspekte dabei ins Gespräch. Solche wichtigen Punkte waren zum Beispiel die Informationsanteile innerhalb der Hörfunkprogramme und die Regionalberichterstattung in den TV-Programmen von RTL und Sat.1. Auf dem Sektor der Aufsicht nehmen die Telemedien einen wachsenden Anteil ein. Ein weiteres zentrales Anliegen war uns die Förderung neuer Technologien, konkret die Einführung des digitalen terrestrischen Fernsehens (DVB-T) in unserem Bundesland. Es kam der Versammlung darauf an, dass die Einführung der neuen Technik nicht nur auf den Ballungsraum Rhein-Main beschränkt bleibt, sondern auch in anderen Landesteilen erfolgt. In Nordhessen haben wir bekanntlich eine DVB-T-Versorgung mit privaten TV-Veranstaltern bislang leider nicht realisieren können.

Einen dritten Bereich möchte ich nennen: die Förderung und die Vermittlung von Medienkompetenz. Sichtbar wird das u. a. auch an der von der Versammlung intensiv begleiteten Umgestaltung der Offenen Kanäle zu Medienprojektzentren. Dabei sind die Elemente des Bürgerfernsehens nicht verloren gegangen, sie dienen aber stärker als früher auch einer umfassenden medienpädagogischen Zielsetzung. Die vielfältigen Ansätze konkreter Zusammenarbeit der neuen Medienprojektzentren und der bewährten LPR-Förderpraxis mit Schulen sowie außerschulischen Bildungsträgern bestätigen uns, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Wir hoffen, diese Entwicklung auch in Zukunft weiter ausbauen zu können.

In die Zeit unseres Vorsitzes in der Arbeitsgemeinschaft der bundesdeutschen Landesmedienanstalten (ALM) fiel die intensive Erörterung der künftigen Struktur der Zusammenarbeit zwischen den Landesmedienanstalten. Diese Diskussion zu moderieren und voranzubringen, war eine zentrale Aufgabe der Vorsitz führenden Anstalt. Den entscheidenden Abschluss fanden diese Überlegungen in den so genannten „Kieler Beschlüssen“ von 2005, in denen das „Kommissionsmodell“ als Modell der Zukunft beschlossen wurde. Bis dahin war ein schwieriger Weg zurückzulegen, an dessen erfolgreichem Abschluss die Repräsentanten der LPR Hessen nicht unmaßgeblich beteiligt waren. Die Medienpolitik der Länder greift diese Überlegungen im Vorfeld ihrer Beratungen über den nächsten Rundfunkänderungsstaatsvertrag auf.“

„Zum Stichwort Struktur der Landesmedienanstalten: So wie verschiedene Modelle der Zusammenarbeit diskutiert werden, gibt es ja auch bei den einzelnen Landesmedienanstalten unterschiedliche Organisationsformen. Es gibt das Modell eines sehr kleinen Medienrates, das Modell eines zahlenmäßig kleinen Vorstands und einer Versammlung oder auch das in Hessen praktizierte Modell einer Versammlung, die sich aus 30 Mitgliedern der gesellschaftlich relevanten Gruppen in Hessen zusammensetzt. Gerade in Ihrer Zeit als Vorsitzender der Gremienvorsitzendenkonferenz haben Sie viele Erfahrungen mit den unterschiedlich besetzten Gremien in den Landesmedienanstalten machen können. Hat sich die Struktur in Hessen bewährt oder würden Sie heute für ein anderes Modell plädieren?“

„Ich gehöre seit 1989, also seit Gründung der LPR Hessen, der Versammlung an. Seit 1995 bin ich deren Vorsitzender. In diesen langen Jahren habe ich durch vielfältige Kontakte auf Länderebene auch andere Landesmedienanstalten und deren Organisationsformen kennen gelernt. Für mich hat sich die in Hessen geltende Struktur bewährt. Ich schätze das Zusammentreffen unterschiedlicher gesellschaftlicher Positionen und Auffassungen in unserer Versammlung und habe diese Unterschiede als in der Sache förderlich erlebt. Gerade im Austausch verschiedener Positionen und auch Interessen war es möglich, Lösungen zu finden, die der Situation in unserem Land angemessen sind und bei denen auch die unterschiedlichen gesellschaftlichen Interessen Berücksichtigung fanden.“

„Sie werden der Versammlung der LPR Hessen auch in ihrer 6. Amtsperiode angehören. Wie wird es weitergehen? Wo liegen die Herausforderungen der Zukunft?“

„Bei analogen Übertragungstechniken wird die neue Versammlung angesichts mangelnder Ressourcen kaum noch Möglichkeiten haben, die Rundfunklandschaft in Hessen entscheidend zu gestalten. Die Digitalisierung der Übertragungswege Satellit, Kabel und Terrestrik sowie die Ergebnisse der internationalen Wellenkonferenz (RRC 06) eröffnen aber neue Kapazitäten und damit neue Gestaltungsoptionen. Neben Internet- und Satellitenradios werden individualisierte und mobile Rundfunkformen auch über die Terrestrik möglich sein. Rundfunk- und Telemedienangebote werden bald für jeden überall und ständig empfangbar sein. Die bewährten regionalen und landesweiten Strukturen und Angebote auch im Digitalen zu erhalten und durch neue Inhalte zu ergänzen, wird ein Schwerpunkt der Arbeit und zugleich besondere Herausforderung für alle Landesmedienanstalten sein. Ein zweites Augenmerk wird darauf zu lenken sein, dass die Angebote nicht nur in Bevölkerungsschwerpunkten eingeführt werden, sondern darüber hinaus für möglichst breite Bevölkerungsschichten zugänglich sind. Eine dritte zentrale Aufgabe ist die kontinuierliche Förderung der Medienkompetenzvermittlung. Mit der Bereitstellung entsprechender finanzieller Mittel ist es dabei nicht getan. Diese Arbeit bedarf der Gestaltung, der Evaluation, des wirtschaftlichen Controllings und natürlich auch der Unterstützung durch die Versammlung. In dem Netzwerk an Beratungs- und Schulungsangeboten spielen die Bürgermedien – namentlich die Medienprojektzentren Offener Kanal – nach Überzeugung der Versammlung eine unverzichtbare Rolle. Ich hoffe und wünsche, dass auch die neue Versammlung in gleicher Weise sachorientiert und harmonisch wie ihre Vorgängerinnen arbeiten wird!“

 

Kontakt bei Rückfragen: Annette Schriefers, Tel.: 0561/93586-12.