Digitale Räume gestalten - lpr-forum-medienzukunft befasst sich mit Gesellschaftsverträglichkeit und Plattform-Ökonomie

„Wir leben mehr und mehr in digitalen Räumen; und auf deren Ausgestaltung müssen wir Einfluss nehmen“, sagt Martijn de Waal. Der Amsterdamer Medien- und Kulturwissenschaftler nimmt dafür Anleihe bei der Stadtentwicklung: „So wie wir dort Werte und Ziele definieren, Interessen ausgleichen und damit Strukturen schaffen, die dem Gemeinwohl dienen, so müssen wir auch die digitalen Räume gestalten, ihnen Strukturen geben, sie tauglich machen für konstruktive Kommunikation“, verlangt der Co-Autor des Buches „The Platform-Society“, das sich mit der Frage des Gemeinwohls in einer vernetzten Welt befasst. 

Auch Sarah Spiekermann fordert ein Werte-Bewusstsein. Nur dann könne es uns gelingen, so die in Wien lehrende Wirtschaftsinformatikerin, uns vom Wert des Profits zu verabschieden und „eine graue Welt der Effizienz und des Shareholder Values einzutauschen in eine reiche Welt voller Potenziale“. Dann könne die digitale Transformation zum Guten sein, ist Sarah Spiekermann, überzeugt. „Bleiben wir jedoch beim heutigen Verständnis von Wertschöpfung, ist digitale Transformation die Schnellstraße in die Dystopie.“, so die Autorin des Buches „Digitale Ethik. Ein Wertesystem für das 21. Jahrhundert. 

Die Wirtschaftsinformatikerin und Expertin für digitale Ethik Sarah Spiekermann und der Medien- und Kulturwissenschaftler Martijn de Waal beleuchten zum Auftakt des lpr-forum-medienzukunft die Bedingungen digitaler Transformation aus ihren Forschungsperspektiven. 

„Digitale Nachhaltigkeit mit Blick auf unsere Kommunikationsstrukturen verlangt vor allem Transparenz, Offenheit, Partizipation und Fairness. An allem fehlt es derzeit. Wir sehen vielmehr vermachtete oligopolistische Strukturen im Markt der Plattformen und Intermediäre“, konstatiert Joachim Becker. Der Direktor der gastgebenden Hessischen Landesmedienanstalt (LPR Hessen) fordert: „Auch die Plattform-Ökonomie muss sich am Gemeinwohl orientieren. Digitale Kommunikation kann und muss gesellschaftsverträglich sein.“

Beim lpr-forum-medienzukunft diskutieren unter der Überschrift 

„Digitale Nachhaltigkeit“ 
Über Gesellschaftsverträglichkeit und Plattform-Ökonomie 

am Donnerstag, den 12. März 2020 in der Evangelischen Akademie Frankfurt, Römerberg 9, 60311 Frankfurt

Joachim Becker, Direktor der LPR Hessen, Hessens Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung, Kristina Sinemus, die Wirtschaftsinformatikerin und Expertin für digitale Ethik, Sarah Spiekermann von der Wirtschaftsuniversität Wien, der Amsterdamer Medien- und Kulturwissenschaftler Martijn de Waal, der Kommunikationsforscher Manuel Puppis von der Universität Freiburg/Schweiz, der Dortmunder Medienrechtler Tobias Gostomzyk, die Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner, Sprecherin für Netzpolitik und Verbraucherschutz ihrer Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Jim Egan, Chief Executive Officer BBC Global News, der Technische Direktor von ARTE, Kemal Görgülü, der für die Beyond Platforms Initiative spricht, der Buchautor und Journalist Adrian Lobe sowie die Wiener Journalistin und Autorin des Buches „Übermacht im Netz“, Ingrid Brodnig. Es moderieren die Journalistinnen Alexandra Borchardt und Ingrid Scheithauer.

Weitere Informationen unter www.lpr-forum-medienzukunft.de