Engere Zusammenarbeit von Lokalfernsehen und Zeitungshäusern in Thüringen

Lokale Medien brauchen Hilfe für den Start in die digitale Zukunft - Handlungsbedarf beim Gesetzgeber als Ergebnis des 1. Thüringisch-Hessischen Mediengesprächs "Die Zukunft lokaler Medien im Digitalen" in Eisenach.

Lokale Medien haben auch im digitalen Zeitalter Zukunft, darüber waren sich alle Teilnehmer des 1. Thüringisch-Hessischen Mediengespräches einig. Die Reihe wird von der thüringischen und der hessischen Landesmedienanstalt veranstaltet und soll aktuelle medienpolitische Themen behandeln. Beim Auftakt ging es um die Zukunft lokaler Medien, zu der verschiedene Meinungen aufeinanderprallten.

TLM-Direktor Jochen Fasco forderte in seiner Begrüßung, lokale Fernsehunternehmen stärker zu unterstützen. "Wenn wir diese Vielfalt erhalten wollen, braucht es dringend die Weiterführung und Erweiterung der 2010 auslaufenden Infrastrukturförderung nach § 40 des Rundfunkstaatsvertrages".

Roland Richwien, Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Medien machte in seinem Einführungsvortrag deutlich: "Auch in der digitalen Welt muss das Bedürfnis der Menschen nach lokaler Berichterstattung auf ein entsprechendes Medienangebot treffen." Gleichzeitig besteht jedoch für die gegenwärtige vielgestaltige Medienlandschaft keine "Ewigkeitsgarantie". Die kleinen lokalen Anbieter müssen aus eigener Kraft am Markt bestehen. Deshalb sei es wichtig, praktikable und bezahlbare technische Lösungen für die lokalen Medien zu finden.

Im Forum I "Die crossmediale Strategie der Tageszeitungen - Die Zeitung auf dem Bildschirm?" diskutierten nach einer Einführung von Dr. Andreas Vlasic vom Medien Institut Ludwigshafen Zeitungsmacher und Lokalfernsehveranstalter über die Veränderungen der lokalen Medienlandschaft im Digitalen. Etablierte Medien werden an Marktanteilen verlieren, Leitmedien auch zukünftig ihre Bedeutung behalten, insgesamt ist eine zunehmende Verwischung der Grenzen zwischen den Mediengattungen, zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern und zwischen klassischen Journalismus und "user generated content" erkennbar.

Diskutiert wurde, wie bei all diesen Veränderungen ein fairer Wettbewerb sicher gestellt werden kann. Hier gilt es aus Sicht der Verleger und der Lokalfernsehveranstalter, vielschichtige Kooperationen zwischen "klassischen" Medienanbietern zu ermöglichen.

Der Geschäftsführer der Zeitungsgruppe Thüringen, Klaus Schrotthofer forderte den Thüringer Gesetzgeber auf, Beteiligungen der Verlage am lokalen Rundfunk zu ermöglichen.

Im Forum II "Qualität in den lokalen Medien - Nur fordern oder auch fördern?" wurden verschiedene Fördermöglichkeiten im internationalen Vergleich erörtert. Dr. Alfred Grinschgl, Geschäftsführer der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH aus Österreich stellte Fördermodelle vor, die demnächst in der Schweiz und in Österreich Anwendung finden werden. Die Inhalteförderung kann hier bis zu 80 Prozent betragen. Darüber hinaus verdeutlichte er die essentielle Bedeutung einer ausgewogenen lokalen Berichterstattung für den demokratischen Meinungsbildungsprozess. Gerade in Zeiten der zunehmenden Globalisierung bieten lokale Medien Identität und Orientierung. Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, hier finanziell wie auch strukturell zu unterstützen.

Der Vorsitzende des Ausschusses für Wissenschaft, Kunst und Medien im Thüringer Landtag, Reyk Seela sprach sich dafür aus, das strenge Beteiligungsverbot der Tageszeitungen an lokalen Fernsehveranstaltern in Thüringen zu lockern. Außerdem sagte er zu, sich für Anschubfinanzierung und Förderung für die oft notleidenden Lokal-TV-Macher einzusetzen.

Prof. Wolfgang Thaenert, Direktor der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen), forderte in seinem Ausblick zum Ende der Veranstaltung, die bisherige Zurückhaltung gegenüber einer Inhalteförderung aufzugeben. Beispiele aus Österreich, der Schweiz oder auch aus Bayern zeigen, dass diese Förderung auch EU-rechtlich möglich ist. "Fairer Wettbewerb entsteht nicht nur durch Regulierung, sondern auch durch Förderung", so Thaenert.

Der Start der neuen Veranstaltungsreihe "Thüringisch-Hessisches Mediengespräch" war nach Einschätzung der beiden Landesmedienanstalten ein voller Erfolg. Im nächsten Jahr wird es eine Fortsetzung geben.