Fernsehqualität: Privatissime TV-Kritiker und Programmmacher diskutieren Qualitätsprogramme bei den Privaten

Trotz gängiger Vorurteile und einer Generalkritik am so genannten Müll-TV: Auch die privaten Sender haben eine Reihe von diskussionswürdigen und guten Sendungen vorzuweisen. Dies hat eine Werkstatt-Veranstaltung gezeigt, zu der die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR Hessen) in Zusammenarbeit mit dem Adolf-Grimme-Institut im Rahmen der Fachkonferenz eDIT am 11. Oktober nach Frankfurt eingeladen hatte.

Unter der Überschrift "Gutes Fernsehen - Schlechtes Fernsehen" stellten die renommierten Fernsehkritiker und Grimme-Preis-Juroren Tilmann P. Gangloff und Gerd Hallenberger Sendungen vor, die mit ihren innovativen Formen und Ansätzen Furore gemacht haben oder mit besonderen Qualitäten im Gesamtspektrum des Angebots aufgefallen sind.

Befund und Analyse wurden dabei mit Blick auf die verschiedenen Genres systematisiert, von der Comedy bis zu den Serien oder zum "alternativen Bildungsfernsehen". Anhand ganz spezifischer Qualitätskriterien zeigten die Kritiker, warum Sendungen wie "Kalkofes Mattscheibe" (ProSieben), die "Schillerstraße" (Sat.1), "Alarm für Cobra 11" (RTL) oder auch "Pimp my Fahrrad" (MTV) mit guten Gründen als hervorragendes privates Fernsehen zu bewerten sind.

In der anschließenden Diskussion der Kritiker mit den Programmmachern und verantwortlichen Martin Hoffmann (Vorstandsvorsitzender des Produktionsunternehmens MME) und Volker Szezinski (Leiter der Sat.1-Programmplanung) ging es um die Frage, mit welchen strategischen Zielen Qualitätsprogramme eingesetzt werden und wie sich die Trends in der Genremischung entwickeln werden. Auch die Chancen und Perspektiven künftiger Programminnovationen und die Möglichkeiten eigenständiger Produktion unter den gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen wurden unter der Moderation des Direktors des Adolf-Grimme-Instituts, Uwe Kammann, erörtert. Ebenso ging es um die Einordnung der deutschen Produktionen unter dem Gesichtspunkt internationaler Perspektiven.

Wolfgang Thaenert, Direktor der LPR Hessen, und der Grimme-Chef hatten eingangs betont, man wolle im Gegenzug zum herrschenden Trend einmal eine positive Diskussion anstrengen, um beispielhaft zu zeigen und zu belegen, dass auch privates Fernsehen mit qualitätsorientierten Programmen Maßstäbe setzen und Erfolge erzielen könne.

Eine Dokumentation der Veranstaltung, die im Rahmen der eDIT 2005 - 8. Filmmaker's Festival - stattfand, erscheint in Kürze.

Die LPR Hessen wird die Veranstaltung, die beim Publikum ein großes Echo fand, fortführen und jährlich die Qualitätsprogramme der privaten Sender präsentieren.