Gremien der Landesmedienanstalten aus Thüringen und Hessen tagten in Wiesbaden - Medienwettbewerb im digitalen Zeitalter härter

TLM LogoÜber die Werbemöglichkeiten und die Werbepraxis privater Rundfunkunternehmen nach Änderung der europarechtlichen Bestimmungen zu Sponsoring und Werbung tauschten sich die Entscheidungsgremien der Landesmedienanstalten aus Thüringen und Hessen aus. In ihrer gemeinsamen Sitzung am Montag, 20. September 2010 in der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen in Wiesbaden ging es darüber hinaus um die Zukunft von Printmedien im digitalen Zeitalter.

Keine weiteren Werbeverbote für die privaten Fernsehveranstalter

Dass die Werbemarktentwicklung gerade für die privaten Rundfunkveranstalter sehr schwierig sei, referierte Claus Grewenig, stellvertretender Geschäftsführer des VPRT (Verband privater Rundfunk und Telemedien e. V.). Der erhöhte Refinanzierungsdruck erfordere eine Ausweitung der Geschäftsmodelle auf Telefonmehrwertdienste (Gewinnspiele), Online-Angebote oder auch Communities. Die neue Richtlinie für audiovisuelle Medien (AVMS), bis zu deren Verabschiedung bzw. Umsetzung viele Jahre vergangen seien, eröffne nur begrenzt weitere wirtschaftliche Möglichkeiten. Die zunächst in Aussicht gestellten Freiräume seien längst nicht alle tatsächlich umgesetzt worden, kritisierte Grewenig. Der VPRT plädiere für eine Aufhebung der quantitativen Werbebestimmungen und gegen weitere Werbeverbote.

"Die Landesmedienanstalten werden sich auch künftig dafür einsetzen, privaten Radio- und Fernsehveranstaltern die wirtschaftliche Grundlage zu erhalten", kommentierte Jochen Fasco, der Direktor der Thüringer Landesmedienanstalt. "Wir sind Sachwalter für eine funktionsfähige Medienlandschaft mit einem möglichst vielfältigen Angebot", so Fasco weiter. "Ob die Entwicklung hin zu hybriden Fernsehgeräten, die Fernsehsignale und Internet-Inhalte gleichermaßen empfangen können, neue Werbebestimmungen erfordern wird, muss auf europäischer Ebene diskutiert werden. Sicher ist die Regulierung der technischen Entwicklung anzupassen", ergänzte Prof. Wolfgang Thaenert, Direktor der gastgebenden Hessischen Landesmedienanstalt und Europabeauftragter der Landesmedienanstalten.

"Relevanz" von Medien entscheidend - Lokalzeitungen müssen Vor-Ort-Informationen liefern

Dass sich die Geschäftsfelder auch für Tageszeitungen verändert hätten, referierte Harold Grönke, Geschäftsführer der Hessisch/Niedersächsischen Allgemeinen (HNA). Die aktuelle Situation erfordere eine Umorientierung in den Verlagen. Medienunternehmen müssten sich in einer Welt, in der die Grenzen schon durch die technische Entwicklung verschwimmen, neu positionieren. Es gelte, sich im "Wettbewerb der Relevanz" zu behaupten.

Für eine Regionalzeitung wie die HNA, die eigentlich ein Verbund von Lokalzeitungen sei, bedeute dies, ihre Kernkompetenz im lokalen und regionalen Bereich zu beweisen. Die Zeitung müsse dem Leser heute auch Online-Angebote mit Bildern und Filmen und Informationen zur Verfügung stellen, die ständig zu aktualisieren seien. Aufgebaut werden müsste auch eine digitale Kundenbeziehung. Perspektivisch hält Grönke es für wünschenswert, regionale Informationen auch via Webradio zu verbreiten.

Regulierungsfragen von morgen schon heute überdenken

"Die technische Entwicklung hat den Medienmarkt schon gewandelt, und sie wird ihn sicher noch stark verändern", resümierte der Vorsitzende der gastgebenden Versammlung der Hessischen Landesmedienanstalt, Winfried Engel. "Es ist für die Mitglieder der Entscheidungsgremien der Landesmedienanstalten daher von größter Bedeutung, immer wieder das Gespräch mit den Medienmachern zu suchen, um Perspektiven auszuloten und uns auf die Regulierungsfragen einer komplexen Medienwelt von morgen einzustellen", so Engel weiter.

Kontakt bei Rückfragen: Annette Schriefers, Tel.: 0561/93586-12.