Hessischer Oskar in Kassel verliehen - Bürgermedienpreis 2006

Die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR Hessen) hat am Samstag, den 11. November 2006, zum achten Mal den Hessischen Bürgermedienpreis im BaliKino im Kasseler Kulturbahnhof verliehen. Ausgezeichnet wurden Beiträge aus den Medienprojektzentren Offener Kanal und den Nichtkommerziellen Lokalradios.

Aus zahlreichen Einsendungen wurden dieses Jahr 24 Produktionen für den Preis nominiert. Der allgemeine Wettbewerb stand unter dem Motto "Fußball ist unser Leben?!". Im Förderwettbewerb der Medienprojektzentren Offener Kanal waren kurze Beiträge zum Thema „Sport ist gesund“ gefragt. Bei den Nichtkommerziellen Lokalradios wurden „Kurzhörspiele“ gekürt.

Eine unabhängige Fachjury vergab Preise im Gesamtwert von 3.900 Euro. Die Jurymitglieder Volker Bernius (Hessischer Rundfunk), Dr. Mark-Christian von Busse (Hessisch/Niedersächsische Allgemeine), Winfried Engel (Versammlung der LPR Hessen), Dr. Barbara Eschenauer (Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik), Christian Fischer (Evangelische Kirche Kurhessen-Waldeck), Michael Jonke (RTL-Studio Kassel) und Dr. Evelin Portz (Versammlung der LPR Hessen) haben folgende Preisträger ausgezeichnet:

Allgemeiner Wettbewerb der Medienprojektzentren Offener Kanal

Der 1. Preis ging an Stefan Bornemann aus Kassel für den Film „Neulich in Bern/Kassel“. Dieser Beitrag lässt den legendären Zimmermann–Kommentar aus dem WM-Endspiel von 1954 neu aufleben. Auf eine kuriose und witzige Art kombiniert der Autor den Originalton einer alten Radioreportage mit einem nachgestellten Fußballspiel. Mit recht einfachen Zutaten gelingt ihm hier ein dokumentarisches Menü der gehobenen Klasse, so das Urteil der Jury.

Den 2. Preis erhielt die 14-köpfige Gruppe „Netzwerk Hauptschule“ aus Fulda für ihren Spielfilm „Fußball verbindet“. Das unter der Betreuung von Barbara Linder entstandene Werk zeugt von schauspielerischem Talent der Schüler sowie einer durchdachten Dramaturgie. Die zusätzlich klar und nachvollziehbar dargestellte Geschichte macht den Beitrag in dieser Altersgruppe zu einer beeindruckenden Produktion, lobten die Kritiker.

Mit dem 3. Preis wurde der Trickfilm „Die Fußballweltmeisterschaft“ ausgezeichnet. Fünf Schülerinnen und Schülern der ersten Klasse der Astrid-Lindgren-Schule aus Niestetal bei Kassel ist unter der Leitung ihrer Lehrerin Edith Dux eine erstaunlich ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema gelungen, fand die Jury. Der Erfolg des Projekts basiert auf einer aufwendigen Bastelaktion, die von sehr guter Zusammenarbeit und großer Geduld zeugt. Auch das von den Kindern selbst entwickelte Drehbuch spricht für viel Engagement bei den Beteiligten.

In der Kategorie Allgemeiner Wettbewerb der Nichtkommerziellen Lokalradios vergab die Jury einen 2. Preis und zwei 3. Preise.

Der 2. Preis ging an Madeleine Altenhein und Franziska Ochs aus Frankfurt am Main für ihren Beitrag „Girls wanted – Auch Mädels können kicken!“. Die bei Radio X ausgestrahlte Reportage macht einen seriös recherchierten Eindruck und ist stimmig aufgebaut. Besonders durch die drei unterschiedlichen Berichtsperspektiven werden dem Zuhörer Informationen abwechslungsreich präsentiert. Die sehr gute Auswahl der Schlussmusik rundet den Beitrag ab. Lediglich kleinere technische Mängel verhinderten die Erstplatzierung, so die Jury.

Marc Urlen aus Kassel wurde für die Produktion im Freien Radio Kassel „Ein Stadion, ein Ball, ein Kameramann“ mit einem 3. Preis ausgezeichnet. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit einer Kindergruppe anlässlich der WM 2006. Spontan eingefangene und authentisch klingende Kinderaussagen vermitteln anschaulich den Blick aufs Fußballspiel aus Kindersicht. Zur allgemeinen Belustigung des Zuhörers stellt sich aber schnell heraus, dass der Begriff Fußball viele Interpretationsmöglichkeiten bietet. Harry Potter lässt grüßen!

Ebenfalls einen 3. Preis erhielten Sebastian Hübl und Nora Binder aus Frankfurt am Main für ihre Radio X - Produktion „Die Geschichte des Fußballs“. Das solide recherchierte Stück überzeugt vor allem durch eine kurzweilige und treffsichere Gestaltung sowie eine gut ausgewählte Geräuschkulisse. Der Beitrag zeigt, dass die Emanzipation, zumindest was Fußball angeht, doch noch nicht in alle Haushalte Einzug gehalten hat. „Fußball ist unser Leben?!“ gilt eben nicht für jeden.

Der diesjährige Förderpreis der Nichtkommerziellen Lokalradios ging an Susanne Holbein aus Kassel für ihr Kurzhörspiel „Nachts“. Mit viel Vorstellungskraft erfolgt in dieser Geschichte eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich. Ein exzellent gesprochener innerer Monolog, die saubere Abmischung und die gute Musikauswahl machen diesen Beitrag zu einem außergewöhnlichen Hörerlebnis. Der Autorin gelingt es nach Meinung der Jury auf eine bewundernswerte Weise, Töne zu visualisieren.

Durch die Veranstaltung führte der Journalist und ehemalige Bürgermedienpreisträger Torsten Harms. Für witzige Nuancen im Programm sorgte der Comedian G. von Bamberg. Das Publikum brachte der Verleihung des Bürgermedienpreises auch dieses Jahr wieder großes Interesse entgegen.

Die LPR Hessen schreibt den Bürgermedienpreis seit 1999 jährlich aus. Der Preis soll die Leistungen der Produzenten in den Medienprojektzentren Offener Kanal und Nichtkommerziellen Lokalradios würdigen und zugleich die qualitative Weiterentwicklung der Beiträge fördern. Prof. Wolfgang Thaenert, Direktor der LPR Hessen, zeigte sich erfreut über das stetige Interesse bei der Teilnahme am Bürgermedienpreis: „Die hohe Qualität der heute ausgezeichneten Beiträge hat gezeigt, dass sich sowohl kleine als auch große Produzenten weiterhin engagiert der Medienarbeit zuwenden. Die LPR Hessen wird auch zukünftig solche Projekte unterstützen.“

Kontakt bei Rückfragen: Annette Schriefers, Tel.: 0561/93586-12.