Hörer bewerten hessische nichtkommerzielle Lokalradios positiv

Eine Image- und Akzeptanzuntersuchung im Auftrag der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR Hessen) bescheinigt den hessischen nichtkommerziellen Lokalradios (NKL) ein positives Image und eine gute Reichweite: Mehr als eine halbe Million hessische Bürger hören gelegentlich NKL.

Die Versammlung der LPR Hessen hat als vorläufig letzten Baustein einer umfangreichen Begleitforschung zur Einführung von NKL in Hessen in ihrer heutigen Sitzung die Ergebnisse einer Image- und Akzeptanzuntersuchung diskutiert.

Die LPR Hessen hatte das Institut für MedienforschunglGöttingen&Köln (IMlGÖ) mit einer Untersuchung beauftragt, die sich im Wesentlichen auf folgende Fragestellungen bezieht:

  • Welche Reichweiten erzielen die NKL und wie werden die Programme genutzt?
  • Wie sind Image und Akzeptanz der Sender und ihrer Angebote?

Zur Beantwortung dieser Fragen wurden an den NKL-Standorten in Eschwege (RundFunk Meißner - RFM), Marburg (Radio Unerhört Marburg - RUM) und Darmstadt (Radio für Darmstadt - RAdAR) fünf Teiluntersuchungen durchgeführt. Die Studie zeigt folgende Kernergebnisse:

Mehr als eine halbe Million Hessen hören gelegentlich NKL

Der Anteil der „Gelegenheitshörer“ der hessischen NKL beträgt im Durchschnitt knapp 43 %. In absoluten Zahlen hochgerechnet sind rund 533.000 Personen in Hessen gelegentlich Hörer eines nichtkommerziellen Lokalradioprogrammes. Der Mittelwert für den weitesten Hörerkreis (WHK: Personen, die innerhalb der letzten 14 Tage das Programm mindestens ein mal gehört haben) liegt knapp unter 8 %. Dies ergibt in der Hochrechnung eine NKL-Hörerschaft von rund 95.000 Personen in Hessen, die innerhalb der letzten 14 Tage ein NKL-Programm gehört haben.

RundFunk Meißner höchste Reichweite

Die mit nennenswertem Abstand höchste Reichweite der drei untersuchten Programme hat RundFunk Meißner in Eschwege mit einem Anteil von 49 % „Gelegenheitshörern“ und einem WHK von 11,2 %. Radio Unterhört Marburg weist 34,0 % Gelegenheitshörer und einen WHK von 6 % auf. RAdAR in Darmstadt wird von 44,9 % gelegentlich gehört und verfügt über einen WHK von 7 %

 

Publizistische Ergänzung bei medienpädagogischer Funktion

Die hessischen NKL-Programme werden vom Publikum vorwiegend als publizistische Ergänzung genutzt. Vor Ort werden sie darüber hinaus nicht nur als Radiosender, sondern auch als medienpädagogische und komptenzvermittelnde Einrichtungen wahrgenommen.

Hörbarkeit durch nicht professionelle Produktion eingeschränkt

Allerdings zeigen die Ergebnisse auch Kritikpunkte der Hörer. So wird die semiprofessionelle Produktion der nichtkommerziellen Lokalradios auch von Stammhörern als größtes Manko dieses Radiotyps empfunden.

Eine Befragung bei Funktions- und Entscheidungsträgern innerhalb der einzelnen Standorte kommt zu dem Ergebnis, dass die Existenz der Sender grundsätzlich begrüßt und als Zugewinn an lokaler Berichterstattung geschätzt wird. Allerdings gehen bei der programmlichen Umsetzung der Ziele, die mit nichtkommerziellem Lokalradio verbunden werden, die Meinungen bei den Funktions- und Entscheidungsträgern auseinander. Einig sind sie sich bei der Einstufung der Programme als eher unprofessionell.

Diese angesprochenen Defizite, so eine Folgerung der Studie, könnten durch intensive Schulung und Weiterbildung der Radios abgebaut werden.

Der Vorsitzende der Versammlung der LPR Hessen, Winfried Engel, bewertet positiv, dass die hessischen nichtkommerziellen Lokalradios mit ihren Programmen ein lokal interessiertes Publikum ansprechen und als feste Größe des kulturellen lokalen Lebens wahrgenommen werden. „Die Studie zeigt, dass die nichtkommerziellen Lokalradios von den Hörern als publizistische Ergänzung wahrgenommen werden. Damit ist ein Ziel der Radios erreicht. Mit einem durchschnittlichen weitesten Hörerkreis von knapp 8 % trotz semiprofessioneller journalistischer und technischer Standards haben die Hörfunkangebote einen festen Platz in der hessischen Radiolandschaft,“ so Engel.

Die Studie wird in Kürze in der Schriftenreihe der LPR Hessen publiziert
 
Versammlung der LPR Hessen nimmt Stellung zur Novelle des Hessischen Privatrundfunkgesetzes

Gegenstand ausführlicher Beratung der Versammlung der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR Hessen) war auch der Änderungsantrag der Fraktionen der CDU und F.D.P. im Hessischen Landtag zur HPRG-Novelle. Die Streichung der Vorschrift zur sogenannten Vorzensur wurde ausdrücklich begrüßt. Die teilweise Öffnung der Versorgungsvorgaben für digitalen Hörfunk, digitales Fernsehen und für Mediendienste über Kabel und Antenne fand ebenfalls die Zustimmung der Versammlung.

Auf Unverständnis und Enttäuschung ist allerdings der Antrag gestoßen, der LPR Hessen anstelle der beabsichtigten 75 v. H. lediglich 62 v. H. der den Landesmedienanstalten zustehenden 2%-Mitteln an der Rundfunkgebühr zur Verfügung zu stellen. Winfried Engel, Vorsitzender der Versammlung der LPR Hessen, kritisierte, dass die LPR Hessen damit auch weiterhin schlechter gestellt werde als die Mehrheit der Landesmedienanstalten. „Außerdem sind die uns zusätzlich übertragenen Aufgaben der Förderung der Medienkompetenz und der technischen Infrastruktur damit nur in vergleichsweise bescheidenem Umfang möglich. Zwei wesentliche Zukunftsaufgaben können somit nicht optimal wahrgenommen werden“, so Engel.

Die Versammlung der LPR Hessen bedauert dies um so mehr, als sie dem Hessischen Rundfunk nicht nur die 1%-Anteile in Höhe von insgesamt 90 Mio. DM, sondern darüber hinaus seit 1994 eingesparte Mittel in Höhe von insgesamt 10 Mio. DM überwiesen hat. Dem Hessischen Rundfunk sollte daraus sowie aus eigenen Einsparungen bei sparsamer Mittelbewirtschaftung auch künftig eine Kulturförderung möglich sein. Andere öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten wie beispielsweise der Bayerische Rundfunk, der weder am 2%-Anteil der dortigen Landesmedienanstalt partizipiert noch über Rückflüsse verfügt, verfahren seit Jahren ebenso.

Erst vor wenigen Tagen hat die LPR Hessen dem Hessischen Rundfunk eingesparte Haushaltsmittel in Höhe von 290.000 DM zur Verfügung gestellt und damit auch die Fortsetzung des Traumtänzer-Festivals in Kassel gesichert. Einsparungen in vergleichbarer Größenordnung aus dem rd. 900 Mio. DM umfassenden Volumen des Hessischen Rundfunks sind der LPR Hessen nicht bekannt geworden.

Veranstaltungsradioprogramm in Hofgeismar zugelassen

Die Versammlung der LPR Hessen hat in ihrer heutigen Sitzung eine Zulassung für Veranstaltungsradio erteilt:
Der Verein Radio Nordspitze e. V. wird in der Zeit vom 15. bis 24. Dezember 2000 den Weihnachtsmarkt in Hofgeismar und die „Galerie on ice“ der Garnisonsgalerie Hofgeismar mit einem Hörfunkprogramm begleiten. Das Programm kann über die Frequenz 88,8 MHz empfangen werden.

Erhebung Image und Akzeptanz nichtkommerzieller Lokalradios in Hessen