LPR Hessen zeichnet neun Preisträger mit dem Bürgermedienpreis 2000 aus

Die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR Hessen) hat am Samstag, dem 4.November 2000, die Preisträger des Bürgermedienpreises 2000 im Bali-Kino in Kassel ausgezeichnet. Vergeben wurden neun Geldpreise im Gesamtwert von 11.000 DM.

Zum zweiten Mal hat die LPR Hessen einen Bürgermedienpreis vergeben. Prämiert wurden Radio- und Fernsehbeiträge, die sich mit dem Thema „Kommunikation“ auseinander setzten. Zusätzlich wurde ein Sonderwettbewerb ausgelobt, der im Bereich Nichtkommerzielle Lokalradios für „Hörspiele“ und im Bereich Offene Kanäle für die besten „Trailer“ vergeben wurde.

Um die Preise in Gesamthöhe von 11.000 DM hatten sich 58 Einzelpersonen und Gruppen beworben. Aus den Offenen Kanälen waren 42 Beiträge, aus den Nichtkommerziellen Lokalradios 14 Beiträge eingereicht worden.

Die Beiträge wurden von einer Jury bewertet, deren sechs Mitglieder bereits die Preisträger für den ersten Bürgermedienpreis im vergangenen Jahr ausgewählt hatten: Dr. Barbara Eschenauer, Winfried Engel, Pfarrer Christian Fischer, Rüdiger Kreissl, Michael Jonke und Volker Bernius.

„Telephone People“ erhält ersten Preis im allgemeinen Wettbewerb für Nichtkommerzielle Lokalradios

Die Jury prämierte den Beitrag „Telephone People“ von Torsten Harms, Freies Radio Kassel mit dem ersten Preis. Der zweite Preis ging an den Beitrag „Splitter und Balken“ aus Eschwege, der dritte Preis an das Hörstück „Abgehört“ aus Darmstadt.

„Telephone People“

Die O-Ton-Collage „Telephone People“, gesendet im Freien Radio Kassel, erstellt von Torsten Harms, befasst sich mit verschiedenen Facetten einer der bedeutendsten Kommunikationsmittel, dem Telefon. Die Collage zeichnet sich vor allem durch ihre Komposition nach einer ausgeklügelten Dramaturgie, die raffinierte Verknüpfung verschiedener Genre zum Thema, die Stimmigkeit vom ersten bis zum letzten Ton und den gelungen Versuch, alle Facetten von Telefonkommunikation vorzuführen, aus. Die Collage vereinigt zudem Information, Bildung und Unterhaltung.

„Splitter und Balken“

Die Wort-Klang-Collage „Splitter und Balken“, gesendet bei RundFunk Meißner, Eschwege, setzt sich mit dem Thema Gerüchte und ihre Entstehung, Wirkung und Weiterverbreitung auseinander. Sie macht dies zum Predigttext und den Lesungstexten des 4. Sonntags und Trinitatis (Lk 6,36-42 Splitter und Balken; Joh 8, 3-11 Jesus und die Ehebrecherin; 1 Kor 13 Glaube, Liebe, Hoffnung).

Die Wort-Klang-Collage zeichnet sich durch die ungewöhnliche Herangehensweise an das Thema, die offenkundig vielfältige und intensive Vorarbeit, die gelungene Kombination von Bibeltexten mit Schülertexten, Tonexperimenten und Sakral- wie Rockmusik, die besonders innovative tontechnische Umsetzung und die sehr gute Montage und sauberen Schnitt als gelungenen Beitrag aus.

„Abgehört“

Das Hörstück „Abgehört“, gesendet bei RadaR - Radio Darmstadt, hat in seinem Mittelpunkt ein Frauengespräch, das von einem Alien abgehört, übersetzt und kommentiert wird. Bei dieser Übersetzung ist es jedoch zu einigen Irrungen und Wirrungen gekommen. Der Beitrag wurde eingereicht von Susanne Schuckmann und Jutta Feiling, ist im Rahmen einer Radiowerkstatt bei RadaR - Radio Darmstadt entstanden und beschäftigt sich mit den Schwierigkeiten kultureller Missinterpretationen.

Der Beitrag zeichnet sich durch die unterhaltsame Idee der Kommunikation mit Außerirdischen, die durchgängig unterhaltsame Umsetzung der Idee, die nicht gespielte Natürlichkeit der Protagonistinnen-Stimmen, den sehr kreativen futuristischen Blick auf menschliche Kommunikation und durch sehr gute Montage und sauberen Schnitt aus.
Keine Prämierung im Sonderwettbewerb „Hörspiel“ für Nichtkommerzielle Lokalradios

Alle vier in dieser Kategorie eingereichten Beiträge entsprachen nicht den formalen und qualitativen Anforderungen an ein Hörspiel. Deshalb vergab die Jury in dieser Wettbewerbskategorie keinen Preis.
Ein erster und drei zweite Preise im Allgemeinen Wettbewerb „Kommunikation“ für Offene Kanäle

Die Entscheidung der Jury zeigt wie qualitativ gleichwertig die eingereichten Beiträge waren. Dennoch konnte die Jury einen ersten Preis für das kurze Fernsehspiel „Frühstück“ vergeben.

Fernsehspiel „Frühstück“ erhält ersten Preis

Das Kurzfernsehspiel „Frühstück“ zeigt einen Mann auf seine Freundin wartend, am Frühstückstisch sitzend. Statt dieser erscheint jedoch ein lange nicht gesehener Freund, der sich unangemeldet und ungefragt an den gedeckten Tisch setzt und ohne Unterlass isst und redet. Der Beitrag wurde eingereicht von Thomas Graf und erstellt von der Fuldaer Nutzergruppe Toatsbrotuktion.

Der Beitrag zeichnet sich durch die ausgefallene Idee zum Thema der zwischenmenschlichen Kommunikation, durch seine optische Ästhetik der Umsetzung, die durchgängig außergewöhnlichen Bildeinstellungen, die erzeugten Stimmungen und den gelungen Versuch, eine moralische Botschaft zu transportieren, aus.

Aufgrund der annähernd gleichwertigen Qualität der prämierten Beiträge hat die Jury drei zweite Preise in dieser Kategorie vergeben.

Kurzspielfilm „it’s over“

Der Beitrag „it’s over“ zeigt den von Liebeskummer gequälten Protagonisten Benjamin, dessen Gefühlswelt und Traumvorstellungen, in denen er zwischen Wut und Verzweifelung nach einem Ausweg sucht. Der Beitrag wurde von Olaf Saumer eingereicht und im Offenen Kanal Kassel gesendet.

Der Kurzspielfilm zeichnet sich durch seine Wirkung als Spielfilmminiatur, durch die gewählten Stilmittel der Musikclipkultur, die hervorragende ästhetisch ruhige Kameraführung, die gelungene Entführung des Zuschauers in eine Traumvorstellung und durch absolut perfekte Ausleuchtung aus.

Experimentierstück „Das Diktat“

Das Experimentierstück „Das Diktat“ zeigt eine Frau, die das Gedicht „Der Erlkönig“ von Johann-Wolfgang von Goethe über ein Spracherkennungsprogramm einem Computer diktiert. Hierbei erschließt sich der jungen Frau eine völlig neue und ungewohnte Dimension des Textes. Der Beitrag wurde eingereicht von Jochen Stumpf und im Offenen Kanal Fulda gesendet.

„Das Diktat“ erhält den zweiten Preis, weil es sich durch seine Aktualität im Themenkomplex menschliche vs. technische Kommunikation, die interessante Art der filmischen Umsetzung, die kompaktschlüssige Darstellung des kommunikativen Problems, die raffinierte Mischung von Sprache und Geräuschen und die durch Neugier erzeugende Dramaturgie auszeichnet.

Zweiter Preis auch für Kurzspielfilm „Hallo“

Der Kurzspielfilm „Hallo“ zeigt einen Mann und eine Frau an unterschiedlichen Orten mobil telefonieren. Dem Zuschauer wird nicht schlüssig klar, ob die beiden miteinander telefonieren oder zufällig an anderen Orten mit anderen Personen telefonieren. Der Beitrag zeigt den heute immer mehr zunehmenden kommunikativen Alltag in öffentlichen Verkehrsmitteln oder an öffentlichen Plätzen. Der Beitrag wurde eingereicht von Caroline Ernst und im Offenen Kanal Kassel gesendet.

Der Kurzspielfilm „Hallo“ erhält den zweiten Preis für seinen treffenden Blick auf die heutige Zeit der öffentlichen privaten Kommunikation, die unverblümte Darstellung von sozialem Leben mit sozial-kritischer Note, die schlüssige dramaturgisch sehr gute Machart, das ausgezeichnete Vorstellungsvermögen bei der Produktionsplanung sowie die spielerische Beweisführung dafür, wie sich Kommunikation im öffentlichen Raum verändert.
Zwei Preisträger im Sonderwettbewerb „Trailer“ für Offene Kanäle

Der Preis des Sonderwettbewerbes für Offene Kanäle wurde an zwei in ihrer Art unterschiedliche aber qualitativ gleichwertige Arbeitsprojekte vergeben.

„Youngster“

Die Produktion „Youngster“ wurde eingereicht von Inge Wienert und im Offenen Kanal Offenbach/Frankfurt gesendet. Es handelt sich dabei um einen Trailer für das gleichnamige Jugendmagazin des Jugendclubs Praunheim.

Der Trailer wird aufgrund seiner Kürze, in der die zentrale Information transportiert wird, die schnellen rhythmischen Schnitte auf thematisch passend gewähltes Musikstück, die distanziert prägenden Bildaussagen, die sehr guten Bildschnitte und die maximale Reduktion auf das funktional Wichtige prämiert.

„Bizim Sans“

Der Trailer „Bizim Sans“, eingereicht Suayip Günler, gesendet im Offenen Kanal Kassel, ist ein Trailer zur gleichnamigen türkischen Stadtmagazinsendung im Offenen Kanal Kassel.

Der Trailer wird durch die Wärme, mit der dem Zuschauer das Magazin nahe gebracht wird, die in aller Kürze präsentierte Themenvielfalt, die Vielfalt der werbenden Personen, die Nutzung emotionaler Schlagwörter und durch den sehr guten Schnitt in Bild und Ton preiswürdig.

Die Preisverleihung des Bürgermedienpreises 2000 erfolgte am Samstag, dem 4. November 2000 im Bali-Kino in feierlicher und unterhaltender Atmosphäre.

Wolfgang Thaenert, Direktor der LPR Hessen, zeigte sich erfreut über die auch diesjährige rege Teilnahme am Bürgermedienpreis, die deutlich macht, dass der Preis bei den Nutzern der Bürgermedien angenommen wird, auch wenn die Nichtkommerziellen Lokalradios im Vergleich zu den Offenen Kanälen noch etwas aufzuholen hätten.
Winfried Engel, Vorsitzender der Versammlung der LPR Hessen, sieht sich durch die Beiträge zum diesjährigen Bürgermedienpreis bestätigt, was die Einführung des Preises als zusätzlichen Motivationsschub für die Radio- und Fernsehmacher in den Bürgermedien betrifft. „Die Qualität der diesjährig eingereichten Beiträge zeigt, dass die Entscheidung der Jury, die qualitative Messlatte auch für die Nicht-Profis hoch anzulegen, richtig war. Die Qualität der Beiträge hat insgesamt zugenommen und wir hoffen, dass dies auch bei den zukünftigen Bürgermedienpreis-Verleihungen der Fall sein wird“, so Engel