LPR Hessen zeichnet neun Preisträger mit dem Bürgermedienpreis 2001 aus

Die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR Hessen) hat am Samstag, dem 17. November 2001, die Preisträger des Bürgermedienpreises 2001 im Bali Kino in Kassel ausgezeichnet. Insgesamt wurden Geldpreise im Gesamtwert von 11.000 DM vergeben.

Bereits zum dritten Mal hat die LPR Hessen den Bürgermedienpreis vergeben. Prämiert wurden Radio- und Fernsehbeiträge aus den nichtkommerziellen Lokalradios (NKL) und den Offenen Kanälen (OK) in Hessen. 73 Produzenten mit 40 Beiträgen haben sich an den ausgeschriebenen Wettbewerben: "Ansichten: Meine Stadt" und dem speziell für Senioren ausgeschriebenen Förderwettbewerb: "Senioren TV - Beiträge von Senioren über 60 Jahren in den OK" beteiligt.

Der siebenköpfigen Jury, bestehend aus:

  • Dr. Barbara Eschenauer, Referatsleiterin Medienpädagogik in der Evangelischen Medienakademie des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik,
  • Pfarrer Christian Fischer, Medienbeauftragter der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck,
  • Rüdiger Kreissl, stellv. Leiter der Lokalredaktion der Hessisch/Niedersächsischen Allgemeinen (HNA),
  • Michael Jonke, Leiter des RTL Studios Kassel,
  • Volker Bernius, Redakteur im Bildungsprogramm des Hessischen Rundfunks für Sendungen auf hr 2,
  • Winfried Engel, Vorsitzender der Versammlung der LPR Hessen und
  • Hermann Schoppe, stellv. Vorsitzender des Programmausschusses der Versammlung der LPR Hessen

ist die Entscheidung nicht leicht gefallen.
1. Preis im Allgemeinen Wettbewerb für Beiträge aus den Offenen Kanälen geht an: "up+down - Ansichten: Meine Stadt"

Die Jury prämierte den Beitrag "up+down - Ansichten: Meine Stadt" von Marc-Andreas Eichhorst aus Frankfurt mit dem 1. Preis. Der 2. Preis wurde für den Kurzfilm "Fulda - Eine Kleinstadtidylle" an Klaus Darlau aus Fulda verliehen. Der 3. Preis wurde gleich zweimal vergeben: Für die Dokumentation "Fuldas vergessener Sohn" an Thorsten Niebling und Uta Dörr aus Fulda und für die Dokumentation "Vergangenheit und Gegenwart" an Heike Ulrich aus Kassel.


"up+down - Ansichten: Meine Stadt"

Die experimentelle Dokumentation "up+down - Ansichten: Meine Stadt" beschreibt verschiedene Jahreszeiten und ein futuristisches Frankfurt mittels clipartiger Einstellungen. Die Jury ist der Ansicht, dass es sich bei dem Beitrag um ein technisch und künstlerisch sehr gelungenes und auch unterhaltsames Experimentierstück handelt. Der Beitrag zeichne sich sowohl durch die originelle Idee des Autors aus, die Rasanz der Stadt Frankfurt zum Thema zu machen, als auch durch die gelungene kreative Umsetzung des Themas unter Nutzung der medialen Möglichkeiten. Der Beitrag wurde im Programm des Offenen Kanals Offenbach/Frankfurt ausgestrahlt.


"Fulda - Eine Kleinstadt-Idylle"

Zwei Studenten der Fachhochschule Fulda beschreiben für ihre Großmutter die beschaulichen Seiten ihres Studienortes.

Die Idee, Ansichtskarten von Fulda zu einer Geschichte in Form eines Videobriefes an die Oma zu verarbeiten, zeugt von kreativer Auseinandersetzung mit dem Thema. Obwohl er auf das Allernötigste reduziert ist, erzählt der Film etwas über die Stadt, über den Briefschreiber, über seine Großmutter und über die Beziehung der beiden. In der Kürze des Filmes wird also eine große inhaltliche Vielfalt vermittelt. In einem harmlos, aber raffiniert inszenierten Spiel wird der Zuschauer in die Rolle der Briefempfängerin gedrängt; die gewählten Bilder sind in gelungenem Einklang mit dem Brieftext verarbeitet. Der Film wurde im Offenen Kanal Fulda ausgestrahlt.


"Fuldas vergessener Sohn"

Der im Offenen Kanal Fulda gesendete Beitrag dokumentiert das Leben eines angeblich vergessenen Künstlers, den es tatsächlich nie gab. Das Portrait des fiktiven Künstlers besticht durch bis ins Detail saubere Arbeit in Sachen fiktiver Recherche. Gäbe es den Künstler Karl-Maria Aufrecht, wäre der Beitrag ein hervorragendes Beispiel für ein Künstler-Portrait. Da es den Künstler nicht gibt, ist der Film ein hervorragendes Beispiel für eine gelungene Satire. Gleichzeitig gewährt die gewählte Perspektive dem Zuschauer Einblicke in das real-fiktive Kulturleben der Stadt.


"Vergangenheit und Gegenwart"

Die Dokumentation zeichnet ein malerisches Portrait der Kleinstadt Bad Arolsen. Der Zuschauer erlebt durch den Blick des Fürsten Wittekind zu Waldeck und Pyrmont eine Reise durch Gegenwart und Vergangenheit. In dem nahezu professionellen Portrait der Kleinstadt Bad Arolsen sorgt die behutsame Wahl unterschiedlicher Stilmittel für interessante Abwechslung und Lebendigkeit. Der Beitrag ist handwerklich sehr gut gelungen und vermittelt durch den Perspektivenwechsel zwischen Geschichte und Gegenwart zahlreiche Informationen, die sorgfältig recherchiert sind und durchgehend interessant bleiben. Ausgestrahlt wurde die Dokumentation im Offenen Kanal Kassel.
Jury vergibt 2. und 3. Preis im Allgemeinen Wettbewerb
für Beiträge aus den NKL

Zwei Radioproduktionen empfand die Jury als preiswürdig und hat einen 2. und einen 3. Preis verliehen. "Klangbild aus Rüsselsheim" von Günter Krell aus Rüsselsheim erhält den 2. Preis. Das Hörstück "Straßenchaos" der Studierendenredaktion "AudioMax" aus Darmstadt wird mit dem 3. Preis ausgezeichnet.


"Klangbild aus Rüsselsheim"

Der Beitrag besteht zum Großteil aus selbst eingefangenen Originaltönen, die ein Klangbild von Rüsselsheim mit Einblicken in die Geschichte, die Bedeutung der Stadt und in aktuelle Probleme vermitteln. Der Beitrag ist mit ein bisschen Ironie und viel Sympathie für die Stadt gestaltet und von einem zentralen städtischen Thema (Flughafenausbau Frankfurt/Main) geprägt. Die Idee der Bearbeitung dieses städtischen Problems ist ziemlich redundant und penetrant aber auch zielgerichtet umgesetzt. Dem Zuhörer wird durch die Penetranz das Problem "ohrnah" vermittelt. Das Klangbild ist insgesamt handwerklich gut gelungen. Der Beitrag wurde im Programm von K2R, Radio Rüsselsheim gesendet.


"Straßenchaos"

Der Darmstädter Beitrag aus dem Programm von RAdAR, Radio Darmstadt beschreibt die Geschichte eines Studenten, der sich bei einem Pizza-Service um einen Auslieferungsjob bewirbt. Bei einem kleinen Test seiner Ortskenntnis muss er erkennen, dass Straßennamen nicht logischerweise etwas mit der städtebaulichen Wirklichkeit zu tun haben müssen. Vor allem die Idee, sich in Form einer Spielhandlung mit der städtebaulichen Wirklichkeit einer Stadt auseinander zu setzen, hebt den Beitrag von anderen Radioproduktionen wohltuend ab. Die Spielhandlung bearbeitet aus unterhaltsamer Perspektive ein Thema, das zwar allen alltäglich jedoch nicht allgegenwärtig ist. Mit geringstem Aufwand produziert, gelingt den Protagonisten ein gut vorgetragenes Hörstück mit stringentem Drehbuch und überraschendem Ende.
"Scuffy - Der kleine Hafenschlepper" erhält den 1. Platz
im Förderwettbewerb Offener Kanal "Senioren-TV"

In diesem Wettbewerb hatte die Jury "nur" die Wahl zwischen Beiträgen aus Kassel und aus Offenbach/Frankfurt. Wichtig waren der Jury bei der Entscheidung über die Preisvergabe vor allem Kriterien wie Kreativität, Wahl der Stilmittel und filmische Umsetzung. Drei Beiträge konnten mit einem Förderpreis prämiert werden.


"Scuffy - Der kleine Hafenschlepper"

Der Beitrag wurde eingereicht von Klaus Montenbruck und ist im Offenen Kanal Kassel gesendet worden. Der Film berichtet von den Abenteuern des kleinen Hafenschleppers auf seiner Fahrt von der Quelle bis zum Meer. Aufnahmen zu dem Film, der auf der Vorlage einer amerikanischen Kindergeschichte basiert, entstanden in Hessen, Hamburg und Malta. Die Geschichte, die der Großvater seinen Enkeln erzählt, ist einfach, schön und ein beeindruckendes Beispiel für eine Familienproduktion. Die gute Idee ist mit sehr großem Aufwand sehr gut umgesetzt. Der gewählte Rhythmus für den Film ist passgenau und wird konsequent durchgehalten. Die Geschwindigkeit des Films und die Vertonung sind in sich stimmig.


"Berlin gerafft gerapt"

Der clipartige Beitrag wurde eingereicht von Helga Brenn und wurde ebenfalls im Offenen Kanal Kassel ausgestrahlt. Der Beitrag zeigt in geraffter Form Impressionen aus der Hauptstadt, die mit Rap-Musik unterlegt wurden. Schon die Idee einer Seniorin, den Musik-Clip als Genre und als Musik ausgerechnet den Rap zu wählen, fand die Jury förderungswürdig, weil höchst ungewöhnlich. Die ungewöhnliche Idee ist zudem handwerklich gut umgesetzt. Die Autorin benutzt ungewöhnliche Perspektiven, um die Stadt ihrer Kinder- und Jugendzeit darzustellen.


"Kinder, wie die Zeit vergeht"

Einen Förderpreis erhielt schließlich auch die Dokumentation "Kinder, wie die Zeit vergeht" von Werner Kossin und Karl-Heinz Roth aus Kassel. In dem Beitrag zeigt ein Sammler seine Exponate aus den 50er Jahren. Die Produzenten des Films nehmen diese Gegenstände zum Anlass, von wichtigen persönlichen Erlebnissen dieser Zeit zu berichten, die auch ihr weiteres Leben prägten. Der Nostalgiefilm über die 50er Jahre zeichnet sich durch den insgesamt sehr großen Arbeitsaufwand und die sehr gute Recherchearbeit aus. Die Mischung von persönlichen Erinnerungen der Autoren mit historischem Material ist ansprechend und abwechslungsreich. Der Informationsgehalt mit viel Lokalbezug beeindruckt.

Wolfgang Thaenert, Dirktor der LPR Hessen, lobte das Engagement der zahlreichen Produzenten und zeigte sich erfreut darüber, dass der Bürgermedienpreis zu einer festen Institution im Bereich der Bürgermedien in Hessen gewachsen sei.

Auch Winfried Engel, Vorsitzender der Versammlung, freute sich über die auch in diesem Jahr zahlreich eingegangenen Beiträge. "Die Beiträge werden in ihrer Breite qualitativ von Jahr zu Jahr besser, was die Einrichtung eines solchen Preises rechtfertigt." Lediglich die Anzahl eingereichter Beiträge aus den nichtkommerziellen Lokalradios könnte, nach dem Wunsch von Herrn Engel, deutlich höher sein.