my first net Experten diskutierten über Internetangebote für Vorschulkinder

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Ob auch schon Vorschulkinder das Internet nutzen sollten, diskutierten gestern Wissenschaftler, Praktiker und Politiker im Rahmen des 29. Hessischen Gesprächsforum Medien in Frankfurt am Main. Der Erfurter Netcode e. V. und die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen) hatten gemeinsam zu der Tagung eingeladen, die unter dem Titel „my first net“ stand.

In einer schriftlich übermittelten Grußbotschaft hatte Staatsminister Stefan Grüttner, der Chef der Hessischen Staatskanzlei, auf die Notwendigkeit hingewiesen, dass Kinder nicht nur auf Medienerfahrungen via Fernsehen und Internet beschränkt werden dürften, sondern vor allem reale Erfahrungen für deren Entwicklung von Bedeutung seien.

In seiner Keynote betonte Prof. Dr. Burkhard Fuhs, Erziehungswissenschaftler von der Universität Erfurt und Vorsitzender des Erfurter Netcode e. V., dass eine globale Veränderung von Kindheit zu erkennen sei und die Interessen von Kindern und Erwachsenen divergierten. Das Internet sei eigentlich nicht für Kinder geeignet, da es für die Erwachsenenwelt geschaffen sei – da die Medien von der Kinderwelt jedoch nicht abgetrennt werden dürften, müsse ein spezieller Zugang für Vorschulkinder entwickelt werden.

Die Vielfalt von Internetseiten präsentierte Dr. Christine Feil vom Deutschen Jugendinstitut in München. Zwar existierten auch in Deutschland eine Vielzahl von Seiten, die sich an Vorschulkinder richten würden, allerdings gebe es gerade im englischsprachigen Bereich ein sehr viel größeres Angebot. Insgesamt sei zu beobachten, dass in erster Linie Fernsehsender bzw. Fernsehsendungen oder auch Kinder-Markenartikelhersteller Internetangebote bereitstellen, die dann auch als Marketinginstrument dienen würden.

Konkrete, pädagogisch besonders geeignete Angeobte für den Vorschulbereich präsentierten im Anschluss daran Cathy Spalding von der BBC in London (CBeebies – http://www.bbc.co.uk/cbeebies), Birgit Guth von Super RTL (Toggolino – http://www.toggolino.de) und Heike Sistig vom WDR (Die Seite mit dem Elefanten – http://www.wdrmaus.de/elefant).

Der sich anschließende Disput zwischen Prof. Dr. Henning Scheich, Neurobiologe, Leibniz-Insitut Magdeburg, und dem Medienethiker Prof. Dr. Roland Rosenstock von der Universität Greifswald konkretisierte Pro und Contra eines Internetangebotes für Vorschulkinder: Rosenstock betonte die Notwendigkeit eines geeigneten Einstiegs für Vorschulkinder ins Internet und hob dabei die Vorteile von Angeboten hervor, die Kinder und Eltern gemeinsam nutzen können. Scheich warnte vor Fehlentwicklungen in der sehr frühen Prägung von Kindern, welche sich erst später in ihrer Wirkung zeigten. Als weiteres Problem hob er die Internetsucht hervor und betonte das Erfordernis realer sozialer Erfahrungen.

In der abschließenden Podiumsdiskussion unter Beteiligung von Stefan Müller (Kindersuchmaschine www.blinde-kuh.de), Uwe Buermann (IPSUM-Institut) und den hessischen Parlamentariern Kordula Schulz-Asche (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Lothar Quanz (SPD) und René Rock (FDP) wurde diskutiert, inwieweit der Staat dafür Sorge tragen sollte, Kindern – beispielsweise im Kindergartenbereich – das Internet nahe zu bringen. Unter den Experten und Politikern bestand Einvernehmen, dass es notwendig sei, insbesondere bei den Eltern wenigstens auf ein Problembewusstsein hinzuwirken. Das Internet könne möglicherweise für die Kinder eine positive Wirkung haben, wenn sie vorsichtig und mit viel Umsicht an vernünftige, kindgerechte und qualitätsvolle Angebote herangeführt würden.

„Internet für Vorschulkinder ist lange schon kein theoretisches Thema mehr“, so Prof. Wolfgang Thaenert, Direktor der LPR Hessen und damit der Gastgeber, im Anschluss an die Veranstaltung. „Schon heute tummeln sich eine Vielzahl von Vorschulkindern im Internet. Hierfür gangbare Konzepte zu entwickeln, die den Einstieg ins Internet auch für schon sehr junge Nutzer sinnvoll machen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die LPR Hessen und auch der Erfurter Netcode e. V. werden sich ihr weiter stellen. Nicht nur, indem wir das Thema ins öffentliche Interesse rücken. Insbesondere auch durch medienpraktische Projekte, die die Kenntnisse bei Eltern, bei Erziehern und natürlich auch bei den Kindern erweitern“, schloss Thaenert.

Im Anschluss an die Tagung fand die Siegelverleihung des Erfurter Netcodes statt. Das Qualitätssiegel „Erfurter Netcode“ für besonders kindgerechte und qualitativ hochwertige Angebote für Kinder im Internet ging an die Internetseiten www.blaubaer.de des Westdeutschen Rundfunks Köln, www.pomki.de – das Kinderportal der Landeshauptstadt München, www.kidkit.de – ein Kooperationsprojekt des KOALA e. V. mit der Drogenhilfe Köln und www.blinde-kuh.de – die erste deutschsprachige Suchmaschine für Kinder.

Kontakt bei Rückfragen: Annette Schriefers, Tel.: 0561/93586-12.