RTL, SAT.1 und Pro 7 für weitere fünf Jahre in Hessen über Antenne zu empfangen

RTL und SAT.1 strahlen weiterhin „Hessenfenster“ aus

Die Versammlung der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR Hessen) hat in ihrer heutigen Sitzung in der diesjährigen Hessentagsstadt Hünfeld bei Fulda die Zulassungen zur terrestrischen Verbreitung der Sender RTL, SAT.1 und Pro 7 in Hessen verlängert. Die Verlängerung der Zulassungen von RTL und SAT.1 wurde mit der Maßgabe erteilt, die auch derzeit ver­breiteten 30-minütigen Hessenfenster weiterhin zu senden.

RTL, SAT.1 und Pro 7 erhielten im Herbst 1990 Zulassungen zur Nutzung terrestrischer TV-Frequenzen in Hessen für die Dauer von zehn Jahren, also bis zum September 2000. Um die Frequenzen weiterhin nutzen zu können, beantragten alle drei Veranstalter die Verlängerung ihrer Zulassungen um die vom Hessischen Privatrundfunkgesetz (HPRG) maximal erlaubten fünf Jahre.

RTL strahlt sein bundesweites Fernsehvollprogramm über zehn terrestrische Frequenzen in Hessen aus. Werktäglich zwischen 18.00 Uhr und 18.30 Uhr wird das Hessenfenster „Guten Abend Deutschland - RTL - Das Hessenmagazin“ gesendet.

SAT.1 strahlt sein bundesweites Fernsehvollprogramm über neun terrestrische Frequenzen in Hessen aus; zwischen 17.30 Uhr und 18.00 Uhr wird die auseinander geschaltete Sendung „SAT.1 - 17:30 Uhr: Live aus Mainz“, in der über das Geschehen in den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Hessen berichtet wird, verbreitet.

Beide Sender haben sich in ihren Verlängerungsanträgen dazu verpflichtet, die jeweiligen „Hessenfenster“ auch weiterhin auszustrahlen.

„Dass RTL und SAT.1 auch zukünftig die Berichterstattung aus Hessen für Hessen in den 30-minütigen Fensterprogrammen gewährleisten wollen, ist sehr zu begrüßen“, so der Vorsitzende der Versamm­lung, Winfried Engel, im Anschluss an die Sitzung. „Zwei von unabhängigen wissenschaftlichen Instituten durchgeführte Inhaltsanalysen belegen die Informationsleistung beider Landesfenster: Die Sendungen weisen tagesaktuelle Nachrichten auf und sind in ihrer Themenselektion sehr vielfältig. Insofern betrachte ich die beiden Hessenfenster als Bereicherung für die hessischen Fernsehzuschauer!“

Formate wie Big Brother brauchen kompetente Zuschauer!
Nach dem Ende der ersten Big Brother Staffel bei RTL 2 hat sich die Versammlung der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR Hessen) in ihrer heutigen Sitzung nochmals mit dem neuen Programmformat „Reality-Soap“ auseinander gesetzt.

Mit dem 9. Juni 2000 sind die ersten 100 Tage Big Brother abgelaufen. Das Format aber ist kein „Auslaufmodell“, sondern eher ein Einstiegskonzept: Bereits jetzt ist angekündigt, dass eine zweite Big Brother Staffel im September startet; auch wollen andere Fernsehveranstalter ähnliche Formate ausstrahlen.

Die hessische Landesmedienanstalt, der die primäre Programmkontrolle über den Sender RTL 2 obliegt, hatte in Abstimmung mit den anderen Landesmedienanstalten und auf Grundlage mehrerer verfassungsrechtlicher Gutachten festgestellt, dass Big Brother rundfunkrechtlich nicht zu beanstanden ist. Hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Wirkung sind Formate wie Big Brother allerdings kritisch zu bewerten. Wie eine Befragung des JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis zur Rezeption von Big Brother belegt, fällt es gerade den jungen Zuschauern zwischen 11 und 16 Jahren schwer, sich die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fernsehwelt bewusst zu machen (die Ergebnisse der Studie sind im aktuellen „FLIMMO“ - der Programm­beratung für Eltern - abgedruckt; vgl. auch im Internet unter www.flimmo.de).

Gerade das Beispiel Big Brother zeigt aus Sicht der Versammlung, dass die Förderung der Medienkompetenz in mehrfacher Hinsicht erforderlich ist: Wenn gerade junge Zuschauer Big Brother als Realität wahrnehmen, müssen sie darüber aufgeklärt werden, dass die Sendungen keinesfalls Realität spiegeln. Allein die Tatsache, dass aus vielen Stunden Bildmaterial zwangsläufig eine Auswahl getroffen werden muss, kann dem Zuschauer ein verzerrtes Bild der Kandidaten bzw. des Container-Lebens vermitteln. Insofern muss der Zuschauer auch im vorhinein schon wissen, dass hier manipuliert werden kann.

Ein weiterer Aspekt im Zusammenhang mit Big Brother ist die multimediale Vermarktung mit einer Vielzahl von Merchandising Produkten und vielfacher - kostenpflichtiger - Teilhabemöglichkeit an dem Projekt, die den Zuschauer leicht zu einem Instrument einer erfolgreich arbeitenden Werbestrategie macht. Die Vermittlung von Werbekompetenz wird hier als unumgänglich angesehen.

Schließlich gilt es, die Grenzverschiebung zwischen Privatheit und Öffentlichkeit deutlich zu machen.

„Wenn die Gesellschaft also zukünftig mit Formaten wie Big Brother auskommt bzw. auskommen muss, gehört es zu den Aufgaben einer Institution wie der LPR Hessen, die Medienkompetenz zu fördern. Die LPR Hessen hat sich bereits in den letzten Jahren der Vermittlung von Medienkompetenz - zumindest in kleinen Projekten - zugewandt. Zukünftig will sie auf der Grundlage der vorgesehenen ge­setzlichen Be­stimmungen in diesem Bereich in und für Hessen maßgeblich aktiv werden,“ so der Vorsitzende der Versammlung der LPR Hessen, Winfried Engel.

Die Versammlung appelliert in diesem Zusammenhang an den hessischen Gesetzgeber, der LPR Hessen nicht nur die gesetzliche Grundlage zur Medienkompetenzförderung zu verschaffen. Viel­mehr müsse die LPR Hessen auch finanziell in die Lage versetzt werden, die Medienkompetenz gemeinsam mit anderen Institutionen des Landes aktiv zu befördern.

Acht Zulassungen für Veranstaltungsrundfunk-Projekte erteilt

Die Versammlung der LPR Hessen hat in ihrer heutigen Sitzung Zulassungen für drei Veranstaltungsradios und fünf Veranstaltungsfernsehen erteilt:

Radio Hanomag wird in der Zeit vom 23. bis 28. Juni 2000 die anlässlich des Johannismarktes stattfindende Gewerbeschau in Lorsch mit einem Radioprogramm begleiten. Außerdem wird Radio Hanomag - wie bereits in den vergangenen zwei Jahren - anlässlich des Fischerfestes in Gernsheim ein Radioprogramm veranstalten. Beide Radioprogramme sind über die terrestrische Frequenz 107,5 MHz zu empfangen.

Das Lebenshilfe-Werk Waldeck-Frankenberg e. V. veranstaltet vom 2. bis 8. September 2000 das Kunst- und Kulturfestival „Kontakte 2000“. Die Radioinitiative des Lebenshilfe-Werkes wird das Festival mit einem Radioprogramm begleiten, das über die terrestrische Frequenz 92,8 MHz ausgestrahlt werden wird.

Das Europäische Film- und Fernsehzentrum EFFZ GmbH veranstaltet wiederum ein Fernsehprogramm anlässlich des Wiesenmarktes in Erbach. Das Programm wird über den Kabelkanal S 25 im Breitbandverteilnetz Michelstadt in der Zeit vom 21. bis 30. Juli 2000 verbreitet.

Der Verein Medien und Kommunikation e. V. in Langen hat Zulassungen für Veranstaltungsfernsehprogramme anlässlich der Beachvolleyball Meisterschaften in der Zeit vom 27. bis 31. Juli 2000, anlässlich des Musikfestes in Langen in der Zeit vom 17. bis 21. August 2000 und zur Begleitung der Langener „Kerb“ in der Zeit vom 1. bis 6. September 2000 erhalten. Die Programme der drei Veranstaltungsfernsehen werden im Langener Kabelnetz auf Kabelkanal 4 zu empfangen sein.

Das Schul-Fernsehen-Dreieich der Weibelfeldschule wird vom 10. bis 21. August 2000 das Festival „Jazz in der Burg“ sowie das Jubiläum „600 Jahre Evangelische Kirche Offenthal“ mit einem Fernsehprogramm begleiten. Das Programm wird ausschließlich von Schülern veranstaltet und ist auf Kabelkanal 16 im Kabelnetz Dreieich zu empfangen.

Zulassungen für Veranstaltungsrundfunk-Projekte kann die LPR Hessen nach dem Hessischen Privatrundfunkgesetz (HPRG) im vereinfachten Verfahren aussprechen, wenn Sendungen im örtlichen Be­reich einer öffentlichen Veranstaltung und im zeitlichen Zusammenhang damit veranstaltet und verbreitet werden. Werbung und Sponsoring in diesen Programmen sind zulässig.

Für Vergabe terrestrischer UKW-Frequenzen Auswahlentscheidung erforderlich

Im August 1999 hatte die LPR Hessen in sechs hessischen Städten (Bad Hersfeld, Dieburg, Fulda, Gießen, Kassel, Wetzlar) UKW-Hörfunkfrequenzen zur Nutzung durch private, bundesweit verbreitete Radioprogramme öffentlich ausgeschrieben. Auf die ausgeschriebenen terrestrischen Frequenzen hatten sich 13 Radioprogrammanbieter beworben: Antenne Bayern Hörfunkanbieter GmbH & Co. KG, Deutsche Rockradio GmbH & Co. KG, Deutsche Talkradio Gesellschaft mbH i. G., Evangeliumsrundfunk International e. V., Klassik Radio GmbH & Co. KG, Radio 24 GmbH & Co. KG i. G., Radio Melodie GmbH & Co. KG, Radio Rockland Hessen GmbH & Co. KG i. G., Radio/Tele FFH GmbH & Co. Betriebs-KG (FFH Hessen Melodie), Radio/Tele FFH GmbH & Co. Betriebs-KG (Planet Radio), Skyline Medien GmbH, Skyradio Hessen GmbH i. G., Thomas Broadcasting GmbH.

Die drei Antragsteller Radio/Tele FFH GmbH & Co. Betriebs-KG (für FFH Hessen Melodie), Klassik Radio und Radio Rockland Hessen haben ihre Anträge zwischenzeitlich zurückgezogen.

Für die verbleibenden zehn Antragsteller stellte die Versammlung bereits das Vorliegen der Zulassungsvoraussetzungen fest.

Den Bestimmungen des Hessischen Privatrundfunkgesetzes (HPRG) entsprechend wurden die genannten Antragsteller in Einigungsbemühungen einbezogen.

Die von der LPR Hessen intendierte Einigung der Antragsteller ist bislang nicht zustande gekommen. Da also mehr Anträge vorliegen, als Frequenzen zu vergeben sind, wird die Versammlung voraussichtlich eine Auswahlentscheidung treffen müssen.

Eine entsprechende Auswahl soll nach der Sommerpause erfolgen.

LPR Hessen beanstandet Ausstrahlung von sieben pornografischen Filmen bei RTL 2

Die für die Programmaufsicht des privaten Fernsehsenders zuständige Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR Hessen) hat gegenüber RTL 2 die Ausstrahlung von sieben pornografischen Filmen beanstandet.

Im Rahmen ihrer Programmaufsicht hat die LPR Hessen die in den vergangenen Monaten bei RTL 2 ausgestrahlten so genannten Erotikfilme einer detaillierten Prüfung unterzogen. Im Einzelnen untersucht wurde die Vereinbarkeit der Filme mit dem Verbot der Ausstrahlung pornografischer Sendungen.

Bei ihrer Prüfung kam die LPR Hessen zu dem Ergebnis, dass von den insgesamt über 30 untersuchten Erotikfilmen sieben gegen das Pornografieverbot verstoßen. Damit bewertete die LPR Hessen die Filme anders als die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen e. V. (FSF), die die Sendungen als nicht pornografisch einstufte.

Die LPR Hessen hat die Gemeinsame Stelle Jugendschutz und Programm (GSJP) der Landesmedienanstalten mit den Filmen befasst. Die Gemeinsame Stelle ist der Bewertung der LPR Hessen gefolgt und hat ihr in ihrer Sitzung am 6. Juni 2000 einstimmig empfohlen, rechtsaufsichtlich tätig zu werden.

Die Sendungen wurden als pornografisch bewertet, weil

-sie in ihrer objektiven Gesamttendenz ausschließlich oder überwiegend auf die Aufreizung des Sexualtriebes abzielen

-die Sexualität verabsolutiert, also losgelöst von sonstigen menschlichen Bezügen, dargestellt wird, womit dem Menschen als solchem lediglich die Rolle eines austauschbaren Sexualobjektes zukommt

-sie aufgesetzte, dünne Rahmenhandlungen aufweisen, die lediglich als Vorwand für die Zusammenstellung verschiedener sexueller Praktiken dienen

-sie sexuelle Aktivitäten grob aufdringlich bzw. anreißerisch darstellen, bspw. durch minutenlanges Verharren der Kamera auf den die „typischen Beischlafbewegungen“ ausübenden nackten Körpern der Akteure

- sie eine „unerschöpfliche Potenz“ der männlichen und eine „ständige Hingabebereitschaft“ der weiblichen Akteure präsentieren.
Der Empfehlung der GSJP entsprechend hat die LPR Hessen RTL 2 mit rechtsaufsichtlichem Bescheid auf die Verstöße hingewiesen und die Ausstrahlung derartiger Sendungen untersagt.