Seitenwechsel Eine Studie zu der Frage, was Offene Kanäle den Menschen geben

"Seitenwechsel" steht für den Rollentausch von Fernsehzuschauer und Fernsehmacher, den Offene Kanäle ermöglichen. Wurden in Hessen bisher lediglich Zuschauer befragt - etwa zu Nutzung, zu Charakter und Qualität der Sendungen -, liegt bei "Seitenwechsel" der Fokus auf den Produzenten. Was können die Offenen Kanäle ihnen geben? Was sind die Motive zur Mitarbeit? Was erleben, erfahren und lernen sie beim Konzipieren, Aufnehmen, Schneiden, Vertonen und Ausstrahlen der eigenen Sendung? Wie verändern diese Kenntnisse und Erfahrungen ihr Leben?

Dr. Sabine Gieschler, Erwachsenenpädagogin, die seit 18 Jahren das Erzählcafé im Berliner Wedding leitet und das Seniorenstudium an der Technischen Universität Berlin organisiert, und Dr. C. Wolfgang Müller, Professor für Erziehungswissenschaften an der Technischen Universität Berlin, haben 32 passionierte Fernsehmacher aus den Offenen Kanälen in Hessen nach Methoden der qualitativen Sozialforschung befragt. Zu Tage gekommen sind sehr lebendige und zutiefst persönliche Geschichten. Das Buch sammelt diese Interviews: Hier stellen sich Menschen vor, die neue Kompetenzen erwerben möchten oder sich für ihr Thema engagieren und das Medium als Sprachrohr, als Kunstform, als Bühne oder als Experimentalwerkzeug schätzen; die mit den und für die Gruppen, die sie beruflich betreuen, öffentlichkeitswirksam werden möchten; oder die genug haben von Desinteresse und Langeweile. Für sie alle fungieren die Offenen Kanäle als Startpunkt, als Sprungbrett, als Ideenpool, als Entwicklungshelfer.

Eine junge Frau zum Beispiel hat beim Offenen Kanal erfahren, dass sie gut mit Jugendlichen arbeiten kann: "Vielleicht sollte ich Lehrerin werden!" Einem Studenten hat es als Jugendlichem gut getan hat, mit so vielen verschiedenen Menschen umzugehen: "Man kommt von der Schule runter, muss sich das erste Mal bewerben und hat noch nie irgendwo angerufen. Das hat man mir abgenommen, ich hatte keine Hemmungen mehr, zum Telefon zu greifen und zu sagen, was ich will." Für einen Lehrer ist es wichtig, "ein Ventil für den angestauten Ärger zu haben und zu zeigen, wir schlucken das nicht alles nur, wir machen was." Und für einen jungen Afrikaner, der das Regieführen zum Hobby machte, steht fest: "Ich bin entschlossen, das auch zu meinem Beruf zu machen. Und ich werde das tun. Ich bin wirklich fest entschlossen."

Die Interviews zeigen auch, dass es "Spaß macht, ein Medium zu beherrschen und etwas zu kreieren", dass die Erfahrung, "öffentlich zu sein", großen Charme besitzt, und dass manchmal auch Passion daraus werden kann: Die Arbeit beim Offenen Kanal "ist der Hauptteil meines Lebens", erzählt eine alte Dame.

Allen Geschichten ist eines gemeinsam: Sie dokumentieren die Früchte medienpädagogischer und medienpraktischer Arbeit einmal ganz konkret.

Seitenwechsel. Eine Studie zu der Frage, was Offene Kanäle den Menschen geben.
Herausgeber: LPR Hessen, Autoren: Dr. Sabine Gieschler, Prof. Dr. C. Wolfgang Müller
Schriftenreihe der LPR Hessen, Band 20. KoPäd Verlag München, März 2005.
365 Seiten, 19,80 Euro, ISBN 3-932028-40-8

Rückfragen bitte an Annette Schriefers, Tel.: (05 61) 9 35 86 -12