„Tatort Internet" erfordert gesellschaftliche Debatte und rechtliche Prüfung

Die RTL II-Reihe „Tatort Internet“ hat eine heftige Kontroverse über Grenzen eines TV-Formats ausgelöst. Unter Hinweis auf das grundsätzlich positive Ziel der Sendung, Kinder vor sexuellem Missbrauch zu schützen, wird die Tatsache, dass die Sendung rundfunkrechtlich geprüft wird, kritisiert. Doch der Zweck heiligt nicht alle journalistischen Mittel, sagen der Direktor der LPR Hessen, Prof. Wolfgang Thaenert, und der Vorsitzende der Versammlung, Winfried Engel. Sie mahnen auch eine Debatte über journalistische Standards an.

Unabhängig von der laufenden rundfunkrechtlichen Prüfung des RTL II-Formats „Tatort Internet“ steht für die LPR Hessen die Verantwortung der Programmmacher im Vordergrund. Sie müssen bei dem brisanten Thema des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen im Internet die Balance zwischen den Persönlichkeitsrechten der potenziellen Opfer und Täter und dem Aufklärungs- und Informationsbedürfnis der Gesellschaft finden. Grundsätzlich problematisch wird es, wenn die Medien als „Vierte Gewalt im Staat“ die Rolle der dritten Gewalt, von Polizei und Staatsanwaltschaft, übernehmen. Dies ist eine Frage des journalistischen Selbstverständnisses, die dringend durch die Selbstkontrolle und die berufsständischen Vertretungen zu klären ist.

„Die Medienaufsicht hat auf journalistische Standards und Entscheidungen aus gutem Grund nur begrenzt Einfluss; sie kann hoheitlich nur gegen rundfunkrechtliche Verstöße vorgehen, die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung und ethisches Handeln liegen jedoch im Vorfeld dessen“, so Prof. Wolfgang Thaenert. „Das Beispiel ‚Tatort Internet‘ macht deutlich, wie wichtig eine fortlaufende Debatte über Medienethik und Medienqualität ist.“

„Kinder und Jugendliche vor sexuellen Übergriffen und Missbrauch zu schützen und in Reichweiten starken, vornehmlich an jüngere Zuschauer gerichteten Programmen aufzuzeigen, wie das Internet ihnen zur Falle werden kann, ist eine programmliche Herausforderung. Dass sie angenommen wird, begrüßen wir. Allerdings verlangt die Behandlung dieses ernsten Anliegens ein sensibles Vorgehen und die Einbettung in ein glaubwürdiges Umfeld“, ergänzt Winfried Engel.

Bei der rundfunkrechtlichen Prüfung stehen die vom Rundfunkstaatsvertrag vorgegebene Einhaltung der Programmgrundsätze und des Persönlichkeitsrechts sowie die jugendschutzrechtlichen Bestimmungen im Vordergrund. Das Ergebnis der Prüfung durch die LPR Hessen als die über RTL II Aufsicht führende Anstalt werden die ZAK, Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten, und die Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten (KJM) abschließend beraten.

Kontakt bei Rückfragen: Annette Schriefers, Tel.: 0561/93586-12.