Trend zum Hartz-IV Fernsehen in Deutschland?

TV-Kritiker und Macher diskutieren Qualitätsprogramme bei den Privaten

Ist Qualität ein messbarer Zustand und ein Merkmal, mit dem sich die privaten Sender in Deutschland brüsten können? Unter der Überschrift „Gutes Fernsehen – Schlechtes Fernsehen: Volume 2“ hat die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR Hessen) in Zusammenarbeit mit dem Adolf-Grimme-Institut am 26. September 2006 in Frankfurt am Main zu einem Gesprächsforum eingeladen. Im Rahmen des Fachkongresses eDit diskutierten Kritiker und Macher über die Qualitätsprogramme bei den Privaten im Programmjahr 2005/2006, über die Chancen und Risiken im Fernsehalltag und über die Zukunftsvisionen der Sender und Produktionsfirmen.

Die Fernsehkritiker und Grimme-Preis-Juroren Tilmann P. Gangloff, Dr. Gerd Hallenberger und Katharina Zeckau stellten dem Fachpublikum „Perlen“ aus den Programmen der privaten Sender vor. Der Marburger Medienwissenschaftler Hallenberger betonte einführend, dass Fernsehzuschauer schon lange keine Amateure mehr seien. Im Laufe der Jahre habe jeder eigene Qualitätsstandards entwickelt – so auch die Kritiker der Veranstaltung selbst. Die Juroren demonstrierten ihre gefundenen „Schätze“ beim Streifzug durch die private Fernsehlandschaft. Positive Merkmale wie Originalität, Handwerk und Wagemut der Produzenten zeichnen Sendungen wie „Clever! – Die Show, die Wissen schafft“ (Sat.1), „Wer wird Millionär?“ (RTL), „Stromberg“ (ProSieben) oder die bereits aufgrund mangelnden Interesses beim Publikum abgesetzte TV-Serie „Bis in die Spitzen“ (Sat.1) aus. Wie sehr die Quote die Qualität im Fernsehprogramm bestimmt, wurde beispielhaft bewiesen.

Unter der Moderation des Direktors des Adolf-Grimme-Instituts, Uwe Kammann, ging es in der anschließenden Diskussion der Kritiker mit den Programmmachern Ute Biernat (Geschäftsführerin von GRUNDY Light Entertainment), Barbara Thielen (Bereichsleiterin der Abteilung Fiction, RTL) und Christian Balz (Abteilungsleiter Deutsche Kinofilme und TV-Movies, ProSieben) um die Bedeutung von Unterhaltungsshows in Deutschland. Die Kritiker resümierten, dass sich das Programm zu einer Art „Hartz-IV-Fernsehen“ entwickelt habe: „Weiche Zeiten, hartes Fernsehen – harte Zeiten, weiches Fernsehen“ – die von Dr. Hallenberger aufgestellte These fand im Gesprächsforum bei Kritikern und Machern Zustimmung.

Prof. Wolfgang Thaenert, Direktor der LPR Hessen, und der Grimme-Chef Kammann hatten angekündigt, dass man unter dem Motto „Abschied vom Vorurteil hin zum begründeten Urteil“ beispielhaft zeigen und belegen werde, dass auch privates Fernsehen seine „Schokoladenseiten“ habe und Erfolge erzielen könne.

Das 25. Hessische Gesprächsforum Medien der LPR Hessen fand im Rahmen der eDit – 9. Filmmaker’s Festival in Frankfurt am Main statt.