"Vorschulkinder und Computer" Hessen präsentiert erste Ergebnisse des landesweiten Forschungsprojekts

Kinder zeigen schon früh außergewöhnliche Fähigkeiten im Umgang mit dem PC - wenn Eltern und Erzieher ebenfalls fit im Umgang mit Bits und Bytes sind. Dies ist eines der ersten Ergebnisse des Forschungsprojektes "Vorschulkinder und Computer", die heute in der Kindertagesstätte St. Bonifatius in Kassel vorgestellt wurden. Das von der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR Hessen) initiierte Projekt untersucht den Einsatz von Computern in Kindereinrichtungen und wird vom Hessischen Sozialministerium und von IBM Deutschland unterstützt.

Computer im Kindergarten - über Sinn oder Unsinn solcher Ansätze wird seit langem gestritten. Fakt ist, dass Computer längst zu unserem Leben gehören. Ohne PC ist der Alltag heute nicht mehr denkbar. Daher erscheint es auf den ersten Blick richtig, Kinder möglichst früh mit diesem Medium vertraut zu machen. Doch bislang war wissenschaftlich nicht geklärt, welchen Einfluss der Computer im Kindergarten auf die Entwicklung der Kinder hat; inwieweit er Anregungen vermittelt, eine Lernhilfe sein kann oder auch die Entwicklung der Sprach- und Sozialkompetenz von Kindern behindert.

Ob und unter welchen Umständen Computer in Kindereinrichtungen sinnvoll sind, untersucht derzeit der Medienpädagoge Prof. Dr. Stefan Aufenanger, Universität Hamburg, in Kooperation mit dem hessischen Verein "Neue Horizonte e. V., Netzwerk Medien- und Kulturarbeit mit Kindern" unter Leitung von Franz Gerlach. Der Computereinsatz wird über zwei Jahre in sechs Kindereinrichtungen in Hessen (Bad Zwesten, Darmstadt, Frankfurt, Hainburg, Kassel und Ortenberg-Gelnhaar) erprobt. Beobachtet und analysiert wird das Verhalten der 3 bis 6-jährigen Kinder am Computer unter verschiedenen Bedingungen.

Dabei konnten die Forscher bislang keine negativen Aspekte bei der Computernutzung von Kindern im Vorschulalter feststellen. Die Kinder verbringen weder übermäßig viel Zeit vor dem PC noch führt die Computernutzung zu schädlichem Sozialverhalten. "Die Kinder helfen sich gegenseitig, versuchen sich auf Fehler hinzuweisen und regeln in den meisten Fällen selbständig, wer mit wem und wann an den Computer darf", fasst Aufenanger die bisherigen Ergebnisse zusammen. Voraussetzung sei allerdings, dass die Erzieher und auch die Eltern ihrerseits das Medium beherrschten und die Kinder zu einem sinnvollen Umgang mit dem Medium anleiten könnten.

Die Hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger sieht sich in ihrer Entscheidung, dieses wichtige Forschungsprojekt zu unterstützen, bestätigt. Bereits die Zwischenergebnisse zeigten, dass hier wichtige Grundlagen für die Bildungsarbeit in den Kindertageseinrichtungen zu erwarten seien. "Eine der Zielsetzungen des Hessischen Bildungs- und Erziehungsplans, den wir zur Zeit erarbeiten, ist das ,Lernen lernen´ auch schon im vorschulischen Bereich", so die Ministerin. "Die Entwicklung von Kommunikationsfreude und Medienkompetenz hat dabei einen wichtigen Stellenwert. Gerade der Computer ist ein Medium für Kinder, um im spielerischen Gebrauch Kreativität zu entfalten und auf kindgerechte Art zu forschen und Wissen anzueignen."

Prof. Wolfgang Thaenert, Direktor der LPR Hessen betonte, dass die Hessische Landesmedienanstalt mit dem Projekt nicht nur das Ziel verfolge, theoretische Kenntnisse über den Einsatz von Computern in Kindertagesstätten zu erlangen: "Uns geht es auch ganz konkret darum, praktische Handreichungen für Eltern und Erzieher zu entwickeln: Praktikable Tipps zur Soft- und Hardware-Ausstattung, zur Platzierung des Computers in der Einrichtung oder zu der Frage, wie oft und wie lange die Kinder den Computer nutzen dürfen. Wir hoffen, noch Ende des Jahres gemeinsam mit dem Hessischen Sozialministerium eine solche Broschüre zur Verfügung stellen zu können."

Abstract zu den Zwischenergebnissen des Forschungsprojekts