Die verlorene Jugend – Werner Papendorf aus Wieseck berichtet von Krieg und Gefangenschaft

Seine fast 98 Jahre merkt man ihm nicht an. Wenn Werner Papendorf aus Wieseck von seinem bewegten Leben erzählt, nimmt er den Zuschauer mit auf eine spannende aber auch erschütternde Reise in die Vergangenheit. Geboren 1921, gehört er zu der Generation, die den zweiten Weltkrieg hautnah miterleben musste. Nur jeder Dritte seines Jahrgangs überlebte diese tragische Zeit. Vier Jahre Kampfeinsatz an der Ostfront, eine schwere Verwundung und anschließend weitere vier Jahre in sowjetischer Gefangenschaft, haben die Jugend und letztlich das ganze Leben von Werner Papendorf nachhaltig geprägt.

Die grauenhaften, brutalen Kämpfe auf Leben und Tod, den Anblick von Sterbenden und Gefallenen auf dem Schlachtfeld und die nackte Angst ums Leben wird er nie vergessen. Werner Papendorf schildert seinen Einsatz in Russland und die apokalyptischen Zustände an der Front in plastischen Bildern: Überleben bei minus 54 Grad Kälte unter freiem Himmel, mit unzureichender Kleidung und miserabler Verpflegung und Kampfhandlungen, deren Grausamkeit sich heute niemand vorstellen kann. Wer sich dieser Hölle durch Befehlsverweigerung oder gar Fahnenflucht entziehen wollte, dem drohte die Erschießung durch die eigenen Vorgesetzten.

Der Krieg endete für Werner Papendorf im März 1945 in sowjetischer Gefangenschaft, aber die Zeit der Qualen war für ihn damit noch lange nicht vorbei. In den Gefangenenlagern war er der erbarmungslosen Rache der einstigen Gegner vier Jahre lang hilflos ausgeliefert. Die Zwangsarbeit unter unmenschlichen Bedingungen überstand er nur mit viel Glück und letztlich einer List, die dazu führte, dass er vorzeitig entlassen wurde.

Werner Papendorf berichtet über diese tragischen Jahre unter dem Titel „Die verlorene Jugend“ in einem Zeitzeugengespräch, das im Februar dieses Jahres im Studio des Offenen Kanals Gießen aufgezeichnet wurde. Er gehört zu den wenigen, die noch von dem Irrsinn und den Abgründen des letzten Weltkriegs erzählen können. Seine Schilderungen sind Mahnung und Anklage zugleich. Die Sendung ist am 27.03.2019 um 18 Uhr und dann auch in den Wiederholschleifen im Offenen Kanal Gießen zu sehen. Zusätzlich ist die Sendung online in der Hessischen Mediathek (www. mediathek-hessen.de) abrufbar.