Ossi und Wessi – keine wichtige Kategorie - Übergreifendes Medienprojekt für Jugendliche zur Deutschen Einheit startet

Spielen die Kategorien "Ossi" und "Wessi" im Denken der Nachwendegeneration heute noch eine Rolle? Was bewegt diese Generation in Ost und West 30 Jahre nach der Deutschen Einheit?

In der Jubiläumswoche zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit fällt der Startschuss für das Kooperationsprojekt „Begegnungen Deutsche Einheit“ der Deutschen Gesellschaft e. V. mit den Landesmedienanstalten aus Bayern, Hessen, Niedersachsen und Thüringen. Das Projekt begann am 30. September 2020 mit der ersten gemeinsamen Kick-off-Veranstaltung zwischen dem niedersächsischen Eichsfeld-Gymnasium in Duderstadt und dem thüringischen St. Josef-Gymnasium aus Dingelstädt.

In dem Medienprojekt begeben sich Schüler/innen aus Ost und West auf die Suche nach Antworten auf die Fragen, wo Deutschland 30 Jahre nach der Deutschen Einheit steht, wie sie das Jubiläumsjahr 2020 wahrnehmen und welche Bedeutung die Wiedervereinigung für sie hat. Die 15- bzw. 16-jährigen Jugendlichen haben weder die deutsche Teilung noch die Wiedervereinigung persönlich erlebt. Dennoch stellen sie sich den Fragen nach den Auswirkungen des Jahres 1990 auf ihr eigenes Leben, ihre Identität, ihr Denken und Handeln, auf ihre Familienbiographien und ihre Herkunftsregionen. Dabei zeigt sich in Gesprächen mit Jugendlichen bereits eine neue Perspektive auf den Stand der inneren Einheit Deutschlands – anstelle eines Denkens in Kategorien von „Wessis“ und „Ossis“ bringen sie ihre eigenen Fragen an historische und gegenwärtige Entwicklungen mit.

Die thematische Auseinandersetzung geschieht auf Augenhöhe mit Gleichaltrigen. Jugendliche aus Regionen mit unterschiedlichem deutsch-deutschem Hintergrund tauschen sich virtuell in Online-Konferenzen über ihre Wahrnehmungen und Empfindungen zur Deutschen Einheit in Schule und Alltag aus, recherchieren in ihrem Umfeld und verarbeiten ihre Gedanken und Erkenntnisse gemeinsam in Medien wie Film, Hörstück und Fotoserien.

Arbeitsprozesse und mediale Ergebnisse präsentieren die Schüler/innen im Projektverlauf auf einer Webseite (https://begegnungen-deutsche-einheit.de/das-projekt/) der Öffentlichkeit, um ihren Blick auf die Konstitution der Deutschen Einheit zu verdeutlichen und eine Diskussion über aktuelle Sichtweisen generationsübergreifend anzuregen. Professionelle Anleitung erhalten die Jugendlichen während des Produktionsprozesses von medienpädagogischen Fachkräften der Landesmedienanstalten.

Hinweise:
Das Projekt wird von der Deutschen Gesellschaft e. V. in Kooperation mit der Bayrischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM), der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen), der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) und der Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) durchgeführt. Es wird durch den Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.

Mit dem Projekt zum 30-jährigen Jubiläum der Wiedervereinigung setzen die beteiligten Landesmedienanstalten und die Deutsche Gesellschaft e. V. ihr kontinuierliches Engagement zur Thematisierung der deutschen Teilung, des Mauerfalls, der Wiedervereinigung und inneren Einheit fort. Die Projektergebnisse der letzten Jahre finden Sie unter https://alltagimgrenzgebiet.home.blog/.