RTL II in Marburg und Limburg nicht mehr über Antenne

Der private Fernsehvollprogrammveranstalter RTL II ist seit dem 1. Mai 1999 in Limburg (K 34) und Marburg (K 60) nicht mehr über Antenne zu empfangen. Gegenüber der hessischen Landesmedienanstalt (LPR Hessen) in Kassel, die dem Sender 1994 die Zulassung zur Nutzung der Frequenzen erteilt hatte, begründete RTL II die Kündigung des Vertrages mit der Telekom als Senderbetreiber mit den erheblichen Kosten. Da die Mehrzahl der Haushalte in Marburg und Limburg über einen Kabelanschluss bzw. Satellitenempfang verfüge, stünde die Zahl der über die Terrestrik bedienten Haushalte in keinem Verhältnis zu den anfallenden Kosten.

RTL II wird auch die terrestrischen Sender in Gießen (K 36), Fulda (K 51) und Wetzlar (K59) nicht dauerhaft weiter nutzen: In Gießen wird RTL II am 23.06.1999 von der Antenne genommen, in Fulda und Wetzlar ist das Programm ab dem 08.09.1999 über Antenne nicht mehr zu empfangen. RTL II wird in den fünf Städten weiterhin über das Kabel zu empfangen sein.

Die technischen Reichweiten der Sender, die RTL II zukünftig nicht mehr nutzt, belaufen sich in Fulda, Limburg und Wetzlar auf je etwa 50.000 Einwohner, in Gießen sind es ca. 90.000, in Marburg knapp 110.000 Einwohner, die mit dem jeweiligen Sender versorgt werden können. Die tatsächliche Reichweite ist dagegen deutlich niedriger: Nach aktuellen Schätzungen empfangen nur noch durchschnittlich knapp 10 % der Haushalte die Fernsehprogramme ausschließlich über terrestrische Sender. 90 % verfügen über einen Kabelanschluss oder eine Satelliten-Empfangsanlage.

Inwieweit die durch die Abschaltung von RTL II frei gewordenen Sender mit anderen Programmen belegt werden können, muss neu entschieden werden. Von Bedeutung ist bei der Frage der Neubelegung die zukünftige Ausgestaltung des Hessischen Privatrundfunkgesetzes.

Wolfgang Thaenert, Direktor der LPR Hessen, äußerte sein Bedauern über die Abschaltung des RTL II Programmes von den Sendern in den fünf Städten: "Für die Zuschauer, die ihre Programme noch über die normale Dachantenne empfangen, ist die Entscheidung von RTLII sehr bedauerlich. Andererseits spielt der wirtschaftliche Aspekt bei einem privaten Rundfunkveranstalter natürlich eine erhebliche Rolle." Dass das Interesse an der terrestrischen Verbreitung sinke, sei bundesweit feststellbar. In Hessen bestünde - außerhalb der Ballungsräume bzw. bei Frequenzen mit relativ niedriger Reichweite - kein großes Interesse der privaten Fernsehvollprogrammveranstalter mehr. Hier mache sich auch die derzeitige Regelung des Hessischen Privatrundfunkgesetzes bemerkbar, wonach auf den freien terrestrischen Fernsehfrequenzen nur bundesweit verbreitete Fernsehvollprogramme zugelassen werden können. Diese Veranstalter verbreiten ihre Programme auch im Kabel. Thaenert äußerte die Hoffnung, dass die bereits angekündigte Neufassung des Hessischen Privatrundfunkgesetzes dieser Entwicklung Rechnung tragen würde: "Die terrestrischen Frequenzen können zukünftig nur dann zu einer programmlichen Vielfalt beitragen und den Zuschauern einen Nutzen bieten, wenn hier neue Programminhalte verbreitet werden!